Kein Abfall, sondern Wertstoffe

Wir verstehen uns als Entsorgungs-Dienstleiter.

Eines der modernsten und größten Recyclingwerke Europas steht in Weiden-West. Als Tochterunternehmen der Werkstattkette ATU verwertet die Firma Estato millionenfach alte Teile von Autos. Die Wertstoffe bringen ordentlich Umsatz.

Weiden. Die Idee des ATU-Gründers Peter Unger im Jahre 1998 war genial, die in den 600 Filialen anfallenden Reifen, Batterien, Zündkerzen oder Ölfilter - gewinnbringend - zu verwerten und so den Konsum-Kreislauf in eigener Sache zu schließen. Auf insgesamt 7,1 Hektar erstreckt sich heute das immer wieder erweiterte Betriebsgelände von Estato im Industriegebiet Weiden-West. Heute widmet sich Estato nicht nur dem Material aus den ATU-Filialen, sondern gebrauchten Auto-Teilen aus ganz Europa. Der Weiterverkauf erfolgt ebenso international. "Wir sind in Weiden die Recycling-Drehscheibe zwischen Paris und Prag", erklärt der langjährige Geschäftsführer Josef Hösl. Er ist gehörig stolz auf die "komplette Wertschöpfungskette".

So fallen im Jahr etwa 55 000 Tonnen Gummigranulat mit einem Reinheitsgrad von mehr als 99 Prozent an. Die millimeterfeinen Körnchen aus Altreifen sind begehrter Rohstoff für den Schallschutz, Sportbodenbeläge oder auch Gummimatten für Kuhställe. Die Kühe fühlen sich auf dem weicheren Untergrund offenbar wohl, denn sie geben nachweislich mehr Milch. Mächtige Granulieranlagen trennen mechanisch mit messerscharfen Klingen sowie Rütteln und Ziehen den Gummi vom hochwertigen, Mangan-haltigen Stahldraht, von dem in diesem Jahr Stahlkocher im Saarland 12 000 Tonnen abnehmen und zu Gussrohren weiterverarbeiten. Für 2015 strebt Estato 15 000 Tonnen Stahldraht an.

Second-Hand-Reifen

Begehrt bei den Bleiwerken sind die Altbatterien. Bis zu 700 Euro je Tonne lassen sich damit erlösen. Recycelt beziehungsweise sortiert werden drei Millionen Liter Altöl, Stahl- und Alufelgen, Auspuffanlagen und Kühler oder die Messing-haltigen Reifenventile und Zündkerzen. 60 Lkw-Ladungen am Tag "füttern" die Granulieranlagen und riesigen Lagerhallen. Die eigene Lkw-Flotte und Spediteure liefern an die Kunden "just in time" an sieben Wochentagen. Die 95 Beschäftigten arbeiten in bis zu drei Schichten rund um die Uhr und erwirtschaften einen Jahresumsatz von 43 Millionen Euro. Bevor Millionen Altreifen zu Granulat zermahlen werden, prüfen Mitarbeiter, ob die alten Pneus noch für den Export oder die Runderneuerung taugen. Immerhin 35 Prozent sind als Second-Hand-Reifen geeignet. "Wegen der hohen Standards in Deutschland sind die gebrauchten Reifen in vielen Ländern interessant - von Westeuropa, Afrika bis Südamerika", sagte Geschäftsführer Hösl bei einer Besichtigung des Wirtschaftsclubs Nordoberpfalz. Sogar die Textilfasern aus den Altreifen werden als Ersatzbrennstoff nachgefragt. Immerhin entspricht eine Tonne Textilfaser dem Brennwert von 950 Kilogramm Kohle.

Sehr energieintensiv

Trotz effizienter, sparsamer Maschinen kostet das Recycling viel Energie, nämlich 16 Millionen Kilowattstunden im Jahr. Als "stromintensives Unternehmen zur Rückgewinnung sortierter Wertstoffe" hat Estato beim Bundeswirtschaftsministerium den Antrag gestellt, die EEG-Umlage zu reduzieren.
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