Kein Blindflug mehr im Auto

Vernetzte Autos sollen es künftig möglich machen: Auf einem Tablet erscheinen ein Warnzeichen und die Information, dass das andere Auto die Spur wechseln wird ("Car will change lane"). Bild: dpa

Weniger Unfälle, weniger Staus und dabei auch noch Geld sparen: Ein Pilotprojekt auf der A 9 zeigt, wie vernetztes Autofahren funktionieren kann. Die Beteiligten sind begeistert.

Das Auto kann durch den vorausfahrenden Lastwagen schauen, über die nächste Kuppe blicken und es weiß sogar, wenn ein anderes Fahrzeug zum Überholen ansetzen will. Auf der A 9 zwischen München und Nürnberg ist diese Zukunftsvision heute schon Wirklichkeit - bei einem Pilotprojekt, das Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt am Montag vorstellte.

Mehr Autos auf Autobahn

Von einem "Sprung in das digitale Echtzeitalter", der Unfälle und Staus vermeiden helfe, spricht Dobrindt. "Wir können so 80 Prozent mehr Kapazität auf die Autobahn bringen. Und ein paar Kilometer Autobahn kosten Milliarden." Wie das funktioniert, zeigen die Experten bei Fahrten auf der Autobahn zwischen Pfaffenhofen und dem Dreieck Holledau.

Ein Auto steckt zwischen zwei Lastwagen und will auf die Überholspur wechseln. Der Fahrer will den Blinker links setzen, da erscheint auf einem Display sofort die Warnung: "Spur halten!" Der Grund: Auf der Überholspur nähert sich rasch ein anderes, im Spiegel noch gar nicht sichtbares Auto. Und im überholenden Fahrzeug erscheint im selben Augenblick die Warnung: "Abbremsen!" Erst danach entdeckt der Fahrer das Auto.

Das kann kein Sensor und keine Kamera leisten: Die Autos stehen über Mobilfunk in Verbindung, erklärt Professor Rudi Knorr vom Fraunhofer-Institut ESK. Ob sie blinken, die Spur wechseln oder bremsen - in zehn Millisekunden werden die Daten an einen Computer im nächsten Mobilfunkmast gesendet, dort mit den Daten der anderen Autos in der Umgebung abgeglichen, und wenn es brenzlig wird, werden die Fahrer unmittelbar gewarnt. "Die Daten werden bewertet, nur wichtige werden weitergegeben", so Knorr.

In zehn Jahren umsetzbar

Ein anderes Beispiel: Hinter einer Kuppe bremsen Fahrzeuge wegen eines Staus ab. Die Fahrer können die Bremslichter noch nicht sehen - aber die Warnung erscheint bereits. "Der Blindflug des Autos wird auf knapp einen Meter verkürzt", sagt Knorr begeistert. "Die Herausforderung ist, künftig Hunderte Autos so zu vernetzen, alle Daten richtig zu bewerten und ohne Unterbrechung von einer Funkzelle zur nächsten zu wechseln", sagt Knorr. In zehn Jahren könnte das Ganze serienreif sein.
Weitere Beiträge zu den Themen: Pfaffenhofen (73)November 2015 (9608)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.