Kein dauerhafter Boom für deutsche Hersteller von TV-Geräten
EM sorgt nur für Strohfeuer

Sportliche Großereignisse wie die derzeit laufende Fußball-EM wirken sich auch auf die Verkäufe von TV-Geräten aus. Archivbild: dpa

Fußball-EM und Olympia: Das sind zwei sportliche Großereignisse, die den deutschen TV-Herstellern auf dem umkämpften Markt neuen Schub geben könnten. Doch unterm Strich dürfte nicht viel übrig bleiben.

Nürnberg. Chips, kühle Getränke und einen anständig großen Fernseher - so stellen sich die meisten Deutschen wohl den perfekten Fußball-Abend vor. Die Europameisterschaft in Frankreich verfolgt fast jeder klassisch vor dem Fernsehgerät, doch so richtig profitieren die TV-Hersteller davon nicht. Zwar rüsten viele Deutsche vor dem sportlichen Großereignis ihr Wohnzimmer in technischer Hinsicht nochmal auf, dafür bleibt das große Geschäft dann aber zu Weihnachten aus.

Käufe vorgezogen


Unter dem Tannenbaum liegt normalerweise ein Drittel des Jahresgeschäfts im Bereich der Consumer Electronics - in diesem Jahr wohl eher weniger. "Die letzten Jahre war es immer so, dass die Sportereignisse zwar einen Effekt gezeigt haben, allerdings dergestalt, dass die Konsumenten ihre Käufe vorgezogen haben", sagt Roland Stehle von der Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationstechnik (GFU). Die EM sei für viele Menschen der Grund, mit dem Kauf des größeren Gerätes nicht bis Weihnachten zu warten.

"Insofern sind diese beiden Events sehr wichtig für uns", heißt es beim mittelfränkischen TV-Hersteller Metz. Mit rund 160 Mitarbeitern produziert Metz als einer der letzten deutschen Hersteller Geräte "Made in Germany". Ansonsten werden bundesweit nur noch in Kronach (Oberfranken) von Loewe und bei Magdeburg von Techni-Sat Fernseher hergestellt.

Die Gesellschaft für Konsumforschung (GFK) sieht beim diesjährigen Absatz einen "Fußball-Effekt". Zum Vergleich führt sie die WM 2010 in Südafrika auf. Damals seien die Verkäufe von Fernsehern von rund 148 000 Stück binnen drei Wochen auf etwa 219 000 zum WM-Start gestiegen. Der Handel könne außerdem regelmäßig mit einem zweiten Schub rechnen, wenn Deutschland über die Vorrunde hinauskomme. "Über das ganze Jahr gesehen wird es aber keine Steigerung der Verkäufe geben", prognostiziert Branchenexperte Stehle. Dabei wären gute Nachrichten für die Branche, die seit Jahren von einem Verdrängungswettbewerb geprägt ist, Gold wert. Auf dem hart umkämpften Markt herrscht ein Überangebot, das die Nachfrage der Konsumenten bei weitem übersteigt.

Grundig etwa spricht von "einer relativ verhaltenen Geschäftsentwicklung für den gesamten TV-Markt 2015 und zu Jahresbeginn". Nach der Insolvenz des Elektro-Riesen im Jahr 2003 existiert Grundig als Traditionsmarke im türkischen Mutterkonzern Arçelik weiter. Auch produziert werden die mit Grundig-Emblemen versehenen Geräte in der Türkei.

Durchschnittspreise höher


Zumindest mehr Umsatz ist in dem harten Geschäft nun aber drin: Durch die beliebten größeren Bildschirmdiagonalen und neue Techniken wie Ultra HD steigen auch die Durchschnittspreise der Geräte. Die Handelsketten Media Markt und Saturn erwarten zur EM ein zunehmendes Interesse bei Curved TVs, Fernsehern mit organischen Leuchtdioden (OLED) sowie internetfähigen Smart TVs.

"Jeder will zu Hause sein Fußballstadion haben. Daher sorgen die Fußball-Ereignisse temporär für ein Absatzplus, aber das Umsatzplus ist wichtiger", sagt Willy Fischel vom Bundesverband Technik des Einzelhandels (BVT). So steigt der erzielte Durchschnittspreis durch immer größere und höherwertige Geräte laut BVT um 4 Prozent auf rund 600 Euro. Bis Jahresende prognostiziert der Verband ein Umsatzplus von drei Prozent - auch wenn der Umsatz mit TV-Geräten zu Jahresbeginn im ersten Quartal noch um 7,4 Prozent auf 990 Millionen Euro zurückging.
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