Kein ungetrübtes Vergnügen im Gelände
Gefährliche Chemie in Outdoor-Kleidung

Bei einem Test von Outdoor-Kleidung und anderen Produkten hat die Umweltschutzorganisation Greenpeace fast überall per- und polyfluorierte Chemikalien festgestellt. Archivbild: dpa

Greenpeace prangert seit Jahren den Einsatz gefährlicher Chemikalien in Outdoor-Kleidung an: Viele Firmen haben angekündigt, künftig umweltfreundliche Materialien zu verwenden. Ein neuer Greenpeace-Test großer Marken fällt aber ernüchternd aus.

München. In wetterfester Outdoor-Kleidung, Schlafsäcken oder Zelten setzen viele Hersteller nach einer Untersuchung von Greenpeace immer noch giftige Chemikalien ein. Bei einem Test von 40 Produkten fand die Umweltschutzorganisation fast überall per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC). "Nur in 4 von 40 Artikeln wurden keine PFC festgestellt", teilte Greenpeace am Montag auf der weltgrößten Sportmesse Ispo in München mit.

Auch in der Muttermilch


Greenpeace prangert seit Jahren den Einsatz gefährlicher Chemikalien in wasserdichten Jacken, Hosen oder Rucksäcken an. Die sogenannten PFC sorgen dafür, dass Wasser und Schmutz von der Kleidung abperlen und diese sich auch bei anhaltender Nässe trocken und leicht anfühlt. "Bei der Herstellung von Outdoor-Kleidung werden PFC-Moleküle freigesetzt", warnt Greenpeace. Diese verbreiten sich rund um den Globus: "Sie reisen mit der Atmosphäre und den Meeresströmungen auch in abgeschiedene Gebiete." Bei einer Expedition in entlegene Gebirgsregionen - etwa im Torres-del-Paine-Nationalpark in Chile - fanden Umweltaktivisten im vergangenen Jahr Spuren von PFC in Wasser- und Schneeproben.

Perfluorierte Chemikalien gelangen in die Nahrungskette und darüber in den Körper. Einige stehen im Verdacht, krebserregend zu sein. "Die Chemikalien bleiben über viele Jahrzehnte in der Natur und reichern sich durch Trinkwasser und Nahrung im Körper an", erklärt Greenpeace. In der Leber von Eisbären seien sie genauso zu finden wie in Muttermilch und menschlichem Blut.

Die meisten großen Outdoor-Hersteller in Deutschland haben nach der Greenpeace-Kampagne angekündigt, ihre Produktion umzustellen und spätestens bis 2020 auf die Stoffe zu verzichten. Dass es nicht schneller geht, begründen die Firmen mit der schwierigen Suche nach Alternativen. "Zur Wasserabweisung gibt es mittlerweile auch gute umweltverträgliche Alternativen", sagt Benedikt Tröster vom Outdoor-Bekleidungshersteller Vaude. Allerdings seien diese nicht so funktional wie die PFC-Produkte: Schmutz oder Öl perlten nicht so gut ab, und auch die Wäsche sei ein Problem: "Nach zwei bis drei Wäschen muss man unter Umständen nachimprägnieren."

"Enttäuschend"


Für den aktuellen Test hatte Greenpeace vor allem Produkte namhafter ausländischer Hersteller untersucht, die auch auf der Ispo ausstellen. "Dies sind enttäuschende Ergebnisse für Outdoor-Liebhaber, die sich ihre Ausrüstung sauber und umweltfreundlich wünschen", sagte Manfred Santen, Chemie-Experte bei Greenpeace, und forderte die Hersteller erneut auf, Risiko-Chemikalien durch umweltfreundliche Alternativen zu ersetzen.
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