Kein Zug in der Nacht

Die Bahnsteige auf den Bahnhöfe in der Region dürften heute ziemlich verlassen sein - so wie der Bahnhof in Amberg. Bild: Hartl

Die Lokführergewerkschaft macht ernst. Für Fahrgäste bedeutet das Ende des Streiks am Morgen noch nicht das Ende der Probleme.

Bahnreisende müssen bis heute Mittag mit Ausfällen und Verspätungen im bundesweiten Zugverkehr rechnen. Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) hat ihre Mitglieder aufgerufen, die Arbeit am Dienstagabend für neun Stunden niederzulegen. Fern- und Regionalzüge sollten ebenso stillstehen wie Güterzüge und die von der Deutschen Bahn betriebenen S-Bahnen - ein flächendeckender Streik, regionale Schwerpunkte nannte die GDL nicht

Der Streik sollte von Dienstag, 21 Uhr, bis heute, 6 Uhr dauern. Auch nach seinem Ende "werden wir erhebliche Störungen und Einschränkungen im Berufsverkehr haben", sagte Bahn-Vorstand Ulrich Homburg am Dienstag. Die Beeinträchtigungen dürften "bis in die Mittagszeit reichen". Personalvorstand Ulrich Weber forderte die Gewerkschaft auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. "Lass uns darüber reden und nicht die Öffentlichkeit verrückt machen", sagte Weber. "Streiks sind aus unserer Sicht überflüssig, verantwortungslos und ohne jedes Gespür für die Situation."

Fünf Prozent mehr Lohn

Der GDL-Vorsitzende Claus Weselsky beklagte im Gegenzug, dass die Bahn nicht auf die Forderungen seiner Organisation eingehe: "Man kann an dem Angebot klar die Zielrichtung der DB erkennen. Wir haben seit Monaten inhaltlich null Verhandlungen gehabt. Wir werden hingehalten und das Ziel ist eigentlich, Tarifeinheit herzustellen." Die Lokführer fordern unter anderem fünf Prozent mehr Geld und eine um zwei Stunden verkürzte Wochenarbeitszeit.

Verhandlungen darüber scheiterten aus einem anderen Grund: Die GDL will auch für das übrige Personal im Zug verhandeln, etwa für Zugbegleiter und Speisewagen-Mitarbeiter. Die Bahn lehnt das ab. Die GDL konkurriert dabei mit der größeren der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Die GDL hatte bereits Anfang September mit zwei dreistündigen Warnstreiks weite Teile des Bahnverkehrs lahmgelegt.

"Wir wissen nicht, welche Züge bestreikt werden", sagte Homburg. "Wir müssen davon ausgehen, dass wichtige Bahnhöfe bald mit bestreikten Zügen zugestellt sind." Zu Streikbeginn um 21Uhr seien noch mehr als 200 Fernverkehrszüge sowie mehrere tausend Nahverkehrszüge unterwegs. "Viele werden ihr Ziel nicht erreichen oder nur mit großer Verspätung.
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