Keine Staatshilfe, keine Kapitalerhöhung
Deutsche-Bank-Chef versucht zu beruhigen

John Cryan. Archivbild: dpa

Deutschlands Großbanken sind angeschlagen. Droht eine neue Bankenkrise? Anleger sind verunsichert. Deutsche-Bank-Chef Cryan betont: Die Lage sei besser, als sie wirke.

Frankfurt. Die Deutsche Bank wehrt sich weiter gegen Spekulationen um mögliche Staatshilfe für Deutschlands größtes Geldhaus. "Das ist für uns kein Thema", sagte Vorstandschef John Cryan der "Bild"-Zeitung. Berichte über angebliche Gespräche mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu staatlicher Unterstützung wies er zurück: "Ich habe die Bundeskanzlerin zu keinem Zeitpunkt um Hilfe gebeten."

Hohe Strafzahlung droht


Die Deutsche Bank ist enorm unter Druck: In den USA droht eine Rekordstrafe von 14 Milliarden Dollar (knapp 12,5 Milliarden Euro) in Vergleichsverhandlungen um Hypothekengeschäfte aus Zeiten vor der Finanzkrise. Das Bekanntwerden der Forderung habe für "viel Unruhe" gesorgt, stellte Cryan fest. "Dabei war von Anfang an klar, dass wir diese Summe nicht zahlen werden." In solchen Verfahren steigen die Ermittler üblicherweise mit höheren Forderungen ein, als sie letztlich beschlossen werden. Dennoch sind Anleger verunsichert. Die Aktie hat seit Jahresbeginn mehr als die Hälfte ihres Wertes eingebüßt. Die Befürchtung ist groß, dass die Rückstellungen des Dax-Konzerns für die drohende Strafzahlung nicht reichen werden.

Frisches Geld am Markt besorgen will sich Cryan vorerst nicht: "Die Frage einer Kapitalerhöhung stellt sich derzeit nicht." Die Bank habe "weitaus weniger Risiken in den Büchern als früher" und sei "komfortabel mit freier Liquidität ausgestattet".

Versicherung verkauft


Der Brite, der seit Juli 2015 an der Konzernspitze steht, betonte: "Die Situation ist besser, als sie von außen wahrgenommen wird. Wir haben in den vergangenen Monaten viele Fortschritte dabei erzielt, eine einfachere und bessere Bank zu schaffen." Der Umbau des Konzerns sei auf gutem Weg. Der beschlossene Abbau von 9000 Stellen sei im Plan. "Die Verhandlungen mit den Betriebsräten sind weitgehend abgeschlossen", sagte Cryan. Am geplanten Verkauf der Postbank halte er fest.

Derweil hat die Deutsche Bank einen Käufer für ihre britische Lebensversicherungstochter Abbey Life gefunden. Für 935 Millionen Pfund (1,1 Milliarden Euro) will der britische Versicherer Phoenix Life das Geschäft übernehmen, wie die Deutsche Bank am Mittwoch mitteilte. Der Preis liegt deutlich unter dem bisherigen Buchwert der Tochter und führt deshalb zu einem Vorsteuerverlust von 800 Millionen Euro. Zugleich verbessert das Institut durch den Verkauf seine Eigenkapitalquote um 0,1 Prozentpunkte. Dem Geschäft müssen noch mehrere Aufsichtsbehörden zustimmen.

Risiken einer Krise


Ifo-Präsident Clemens Fuest sieht die Probleme der großen deutschen Banken mit Sorge. "Insgesamt ist das deutsche Bankensystem solide, weil es der heimischen Wirtschaft gut geht", sagte Fuest der "Neuen Osnabrücker Zeitung". "Aber die Ertragskraft der deutschen Banken ist gering, und die Niedrigzinsen reduzieren die Gewinne der Banken zusätzlich. Wenn diese Situation anhält, steigen die Risiken einer Krise." Bei der Commerzbank zeichnen sich als Reaktion auf Zinstief und schärfere Regulierung ein Abbau Tausender Stellen ab.

Am Mittwoch stellte das Bundesfinanzministerium klar, dass Regierung und Finanzaufsher nicht an einem Rettungsplan für den Fall einer bedrohlichen Schieflage der Bank arbeiteten. "Diese Meldung ist falsch", so das Ministerium. "Anlass für derartige Spekulationen gibt es nicht." Die Bank hat dies ausdrücklich klargestellt", betonte das Ministerium. Die Finanzaufsicht Bafin kommentierte den Bericht nicht.
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