Keramik für Mikro-Elektronik

Ein selten erlaubter Blick in die sterile Fertigungsanlage für keramische Spezialfolien: Diskretion gehört für die Firma Kerafol zum "täglichen Brot". Die Geheimhaltungsvereinbarungen füllen dicke Ordner, das Firmengelände ist videoüberwacht, es besteht eine strenge Zugangskontrolle. Bild: privat

Hochtechnologie aus der Nordoberpfalz steckt in Batterien von E-Autos oder in Filtern für Abwasser. Hauchdünne Keramikblättchen finden sich in Handys, Laptops und Antiblockiersystemen. Bis zum weltweiten Markterfolg brauchte Franz Koppe jedoch einen langen Atem.

Heute lächelt der 70-jährige Firmengründer: "Wenn du etwas erreichen willst, musst du an dich glauben. Man darf sich von Rückschlägen nicht entmutigen lassen." Mit einer Handvoll Mitarbeiter experimentierte Koppe von 1985 bis 1992, bis die erste - hauchdünne - keramische Folie fertigungsreif war. "Es war eine harte Zeit." 2014 zählt die Firma Kerafol in Eschenbach (Kreis Neustadt/WN) 240 Beschäftigte, setzt erfolgreich auf eine eigene Entwicklungsabteilung mit 20 Wissenschaftlern und erzielt einen Jahresumsatz von 30 Millionen Euro. Davor liegen Jahrzehnte des Wachstums aus eigener Kraft, mehrmals prämiert u. a. als "Bayerns Best 50".

Höchste Zuverlässigkeit

Als "totaler Außenseiter", ohne jede Vorkenntnis, stieg der Heizungsingenieur Franz Koppe quasi als Autodidakt in die Marktnische der reproduzierbaren keramischen Folien ein: "gepackt und fasziniert" von der enormen Vielfalt ihrer Anwendungsmöglichkeiten. Die extrem dünnen, mit Silikon oder Polymeren gefüllten keramischen Stoffe finden sich beispielsweise als Spezialfolien in den E-Autos der internationalen Premiumhersteller: Damit die Ionen-Lithium-Batterien nicht überhitzen, leiten die durchschlagfesten, öl- und säurebeständigen Folien die Wärme bei der Entladung ("Booster") nach außen ab. Die keramische Aufrüstung von E-Autos macht inzwischen 30 Prozent des Umsatzes aus. Kerafol produziert an fünf Wochentagen in drei Schichten rund um die Uhr.

Die Folien schirmen auch störende Strahlungen in Handys ab oder machen Hochtemperatur-Brennstoffzellen mit keramischen Elektrolyten funktionsfähig. Hier zeichnen sich die Folien selbst bei 750 Grad Celsius durch höchste Zuverlässigkeit aus. Ein weiterer Schwerpunkt im Portfolio sind keramische Filter zur Umwandlung von Abwasser zu Trinkwasser, Klärschlamm-Filterung oder Filtrationsanlagen für die Herstellung von Weinen, Säften und Bieren.

Anders als bei vielen mittelständischen Betrieben muss sich Franz Koppe nicht um die Unternehmensnachfolge sorgen: Seine Töchter Isabell (39) und Sabine (44) bringen sich engagiert bei Kerafol sein.
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