Kleine Entwarnung

Vorsichtiges Aufatmen bei VW nach weiteren Messungen: Nur bei neun Modellen weichen die ermittelten CO2-Abgaswerte von den offiziellen Angaben ab. Statt 800 000 Autos sollen nur 36 000 betroffen sein. Bild: dpa

Mehr als einen Monat trug Volkswagen die Zahl von 800 000 Autos mit falschen Angaben zum Klimakiller Kohlendioxid vor sich her. Am Ende wohl weitgehend grundlos: Die Unregelmäßigkeiten sollen weit weniger Autos betreffen und auch gar nicht so schlimm sein.

Von den falschen CO2-Abgaswerten und damit falschen Spritverbrauchsangaben bei VW sind dem Konzern zufolge deutlich weniger Autos betroffen als befürchtet. Statt rund 800 000 Fahrzeugen könnten nach erneuter Prüfung durch das Kraftfahrt-Bundesamt, das Bundesverkehrsministerium und VW nur noch rund 36 000 Autos betroffen sein. "Abweichungen wurden in den internen Messungen nur bei neun Modellvarianten festgestellt", teilte VW am Mittwoch mit (siehe Infokasten). Der Verdacht auf rechtswidrige Veränderung der Verbrauchsangaben habe sich nicht bestätigt.

Nur ein Problem gelöst

Mit Blick auf die vielen anderen aktuellen Großbaustellen bei Europas größtem Autobauer VW löst die gute Nachricht, die am Mittwoch praktisch zeitgleich mit der Krisensitzung des VW-Aufsichtsrates veröffentlicht wurde, aber nur ein Problem. Nach wie vor ungeklärt sind die finanziellen und strafrechtlichen Konsequenzen der Manipulationen von Stickoxidwerten bei weltweit mehr als elf Millionen Diesel-Fahrzeugen.

Die internen Messergebnisse sollen nun bis Weihnachten nochmals unter behördlicher Aufsicht bei einem neutralen technischen Dienst überprüft werden. Anschließend könnten alle Fahrzeuge, bei denen die Richtigkeit der Angaben bestätigt werde, "uneingeschränkt angeboten und verkauft werden". Für alle anderen müssten die Genehmigungswerte im Rahmen "üblicher Prozesse" zunächst noch angepasst werden. Ähnliche Fälle habe es in der Vergangenheit auch bei VW und anderen Autoherstellern bereits gegeben.

Nach Angaben von Volkswagen stoßen die besagten neun Modellvarianten entsprechend des gültigen Europäischen Prüfzyklus auf dem Prüfstand "im Mittel nur wenige Gramm CO2" mehr aus als bislang angegeben. Dies entspreche zugleich einer Erhöhung des Verbrauchs im Messzyklus von etwa 0,1 bis 0,2 Liter auf 100 Kilometer. "Die Real-Verbrauchswerte der Kunden ändern sich nicht, zudem sind keine technischen Maßnahmen an den Fahrzeugen notwendig", hieß es weiter.

Damit dürften auch die von VW zunächst auf zwei Milliarden Euro geschätzten Kosten für die Kohlendioxid-Unregelmäßigkeiten deutlich geringer ausfallen. Die ursprünglich erwartete Ergebnisbelastung habe sich damit nicht bestätigt, betonte VW. Unklar sei aber, ob dennoch wirtschaftliche Belastungen entstünden. Dies hänge von den Nachmessungen ab. Zumindest am Aktienmarkt stieß die Nachricht umgehend auf positives Echo: Die Aktie legte zwischenzeitlich um knapp fünf Prozent zu.

Blessing übernimmt

Volkswagen bekommt zudem mit dem Stahlmanager Karlheinz Blessing einen neuen Personalvorstand. Der Aufsichtsrat stimmte am Mittwoch dem Vorschlag der Arbeitnehmerseite für den vakanten Spitzenposten zu. Blessings Vorgänger Horst Neumann war Ende November in den Ruhestand gegangen. Mit Blessing übernimmt ein erfahrener Manager das Ruder für die künftige Personalplanung. Er ist damit verantwortlich für die rund 600 000 Arbeitsplätze im VW-Konzern weltweit.
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