Kommentar zur Lage der Bankenbranche
Gewaltiger Umbruch steht bevor

Deutschland und die Welt
02.02.2016
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Offene Frage: Wann besuchten Sie letztmals Ihre Bank? Natürlich physisch, nicht online per Smartphone, Tablet oder PC. Genau darin liegt das Problem. Auf eine persönliche Stippvisite in der Sparkasse oder Bank kommen heute bis zu 500 digitale Kontakte. In seinem Geldhaus kehrt der Kunde eigentlich nur noch ein, wenn qualifizierter Beratungsbedarf ansteht, etwa bei Baufinanzierungen, Altersvorsorge und Kapitalanlagen. Mit ein paar Mausklicks erledigt der Kunde online seine Überweisungen, prüft Kontostand und -bewegungen rund um die Uhr. Bargeld gibt es am Automaten, ohne Einschränkung durch Öffnungszeiten.

Die traditionelle Bankfiliale scheint in der Ära der Digitalisierung so aus der Zeit gefallen wie der berühmte Heizer auf der E-Lok: Wären da nicht die oft älteren und gehandicapten Menschen, oder einfach diejenigen, die sich der Modernität verweigern. Sie fallen durchs Raster der Rentabilität. Ihre Frequenz reicht nicht aus, um die Personalkosten und die Miete zu decken oder den Betrieb des Geldautomaten rentierlich zu machen. Die Geldhäuser bieten Service-Alternativen, aber die Filiale vor Ort ist für viele Menschen ein emotionales Argument - und für den Status eines Orts nicht ganz unwichtig.

Der digitale Wandel ist nur eine Baustelle. Empfindlicher treffen die Geldpolitik der EZB und die magere Zinsspanne die Bankenbranche, die vor einem gewaltigen Umbruchs steht. Über das Ausbleiben jeglichen Zins-Zins-Effekts zahlen die Sparer für einen Prozess, den sie nicht in Auftrag gegeben haben.

clemens.fuetterer@derneuetag.de
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