Kommt das Apfel-Auto?

Apple treibt die Autoindustrie um. Dabei ist nicht einmal klar, ob der I-Phone-Konzern wirklich an einem Wagen arbeitet. Doch die Branche ist vor Beginn des Autosalons in Genf nervös. Alle wissen: Schlafen darf jetzt keiner.

Allein die Möglichkeit, dass Apple Autos bauen könnte, versetzt die Industrie in Aufregung. In Genf sind die Auto-Pläne des US-Riesenkonzerns Gesprächsthema. Viele Konzernlenker geben sich zwar betont gelassen. Sorglos aber ist niemand. "Wir wissen genau, dass, wenn man den ersten Platz in der Champions-League hat, man keine Sekunde schlafen darf", sagt der Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Matthias Wissmann. "Es hängt alles von unserer Innovationskraft ab."

Immenses Drohpotenzial

Das sieht auch BMW-Chef Norbert Reithofer so. "Wir müssen uns darauf einstellen, dass in Zukunft Wettbewerber Autos bauen, die bisher nicht am Markt waren", sagte er am Dienstag in Genf. Gerade der anhaltende Trend zur Digitalisierung, Vernetzung oder dem automatisierten Fahren locke Unternehmen wie Google, Apple oder andere. "Wir müssen diese Unternehmen sehr ernst nehmen", sagte Reithofer. Allerdings sei der Fahrzeugbau sehr komplex - von der Entwicklung über die Produktion bis hin zum Händlernetz und dem Ersatzteilgeschäft.

Für neue Spieler in der komplexen Autobranche gebe es viele Hausaufgaben zu machen, sagte auch Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. "Man muss zwei, drei Jahre entwickeln - auch wenn man Apple heißt." Und diverse Fabriken braucht es auch, um die Märkte im großen Stil aufzumischen. Aber diese Infrastruktur könnte Apple auch kaufen. Mit 178 Milliarden US-Dollar (159 Milliarden Euro) in der Kasse könnte der Konzern theoretisch fast jeden Autobauer der Welt mit seinem Produktionsnetz übernehmen. Der Börsenwert von Ford etwa beträgt derzeit rund 57 Milliarden Euro. "Es ist schon Drohpotenzial genug wegen der schieren Größe dieser Unternehmen", sagte Pieper.

Geheimprojekt "Titan"

Google hat bereits ein selbstfahrendes Auto vorgestellt. Was Apple plant, ist unbekannt. Berichten zufolge werkelt der Konzern unter dem Projektnamen "Titan" an den Plänen. Ein Team aus mehreren hundert Leuten arbeite abgeschieden an einem Auto mit Elektroantrieb. Ob es wirklich so kommt, ist unklar. "Das sind sehr seriöse Häuser - wenn die etwas planen, machen die auch was", sagte Fiat-Chef Sergio Marchionne. Reithofer will über mögliche Apple-Pläne nicht spekulieren. Aber: "Apple ist eine sehr, sehr, sehr starke Marke."

Und auch ohne Apple-Auto ringt die Branche um die Zukunft. Alternative Antriebe, Abgasgrenzwerte, eine schwindende Autobegeisterung bei jungen Kunden, Digitalisierung, Vernetzung, selbstfahrende Autos - die Liste der Baustellen ist lang. Bleiben Autos technische und emotionale Produkte, die viel Geld bringen - oder werden Apple und Google künftig mit der Software das neue Herz von Autos liefern? Oder gleich die kompletten Autos mit?

Daimler-Chef Dieter Zetsche glaubt nicht, dass die Autobranche irgendwann nur noch Zulieferer für Internet-Konzerne sein wird. "Wir haben momentan die gesamte Wertschöpfungskette in unserer Hand", betonte er in Genf. Vor den Veränderungen habe er keine Angst. "Das kann uns nur stärker machen."
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