Konjunkturlokomotive zieht

Die Russland-Ukraine-Krise hat Deutschlands Wirtschaft nur vorübergehend gelähmt. Dank eines starken Jahresendspurts wuchs die Wirtschaftsleistung 2014 um 1,6 Prozent - trotz der vielen Krisen in aller Welt.

Deutschland ist wieder die Konjunkturlokomotive Europas: Getrieben von der Kauflust der Verbraucher hat die deutsche Wirtschaft ihr Wachstumstempo Ende 2014 wieder deutlich beschleunigt. Aber auch die Unternehmen haben endlich wieder mehr investiert. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg im vierten Quartal im Vergleich zum Vorquartal um 0,7 Prozent und damit deutlich stärker als zunächst erwartet, wie das Statistische Bundesamt mitteilte.

In einer ersten Schätzung waren die Statistiker vor wenigen Wochen noch von ungefähr einem Viertel Prozent Wachstum im Vergleich zum Vorquartal ausgegangen. Mit dem kräftigen Plus habe sich die konjunkturelle Lage nach dem schwungvollen Jahresauftakt und der Schwächephase im Sommer zum Ende des Jahres stabilisiert, betonten die Statistiker nun.

Dank des überraschend starken Schlussquartals korrigierten die Statistiker den BIP-Anstieg im Gesamtjahr leicht von 1,5 Prozent auf 1,6 Prozent nach oben. Auch die Aussichten für 2015 haben sich spürbar verbessert. Denn der sogenannte statistische Überhang des Jahres 2014 beträgt plus 0,5 Prozent. Das heißt: Selbst wenn das saison- und kalenderbereinigte BIP im gesamten Jahr 2015 auf dem Niveau des vierten Quartals 2014 verbleiben würde, stiege das BIP 2015 um diese 0,5 Prozent.

Wichtigste Wachstumstreiber waren nach den Angaben erneut die Verbraucher, die ihre Konsumlust nochmals merklich steigerten. "Das ist ein klares Signal dafür, dass die niedrigeren Ölpreise in den Taschen der Verbraucher angekommen sind", sagte ING-Diba-Chef-Ökonom Carsten Brzeski. Zudem investierten aber auch die Unternehmen wieder mehr in Ausrüstungen und Bauten. "Das Vertrauen kehrt zurück", betonte Ökonom Christian Schulz von der Privatbank Berenberg. Damit sei der Schock, der die Unternehmen nach den russischen Aggressionen in der Ukraine gelähmt hatte, vorerst überwunden. Vom Außenhandel gingen hingegen wenig Wachstumsimpulse aus: Zwar stiegen die Exporte von Waren und Dienstleistungen zum Vorquartal nochmals kräftig, wie die Statistiker erklärten: "Allerdings erhöhten sich die Importe in ähnlicher Größenordnung."

Im Vergleich zum Schlussquartal 2013 stieg das preisbereinigte BIP um 1,6 Prozent. Damit hat das Wachstum auch auf Jahressicht wieder Fahrt aufgenommen: Im dritten Quartal hatte das Plus bei 1,2 Prozent gelegen, im zweiten Vierteljahr bei 1,0 Prozent. Experten rechnen auch 2015 mit einem robusten Wachstum der deutschen Wirtschaft. Die Konjunktur wird demnach durch den niedrigen Ölpreis und den schwachen Euro, der deutsche Exporte auf den Weltmärkten billiger macht, befeuert. Zudem dürften die niedrige Arbeitslosigkeit und die Mini-Zinsen die Konsumlust der Verbraucher weiter anschieben.
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