"Konkurrenten benachteiligt"

Brüssel greift im Wettbewerbs-Verfahren gegen Google härter durch. Es sind vor allem die prominent platzierten Treffer aus der Preissuchmaschine Google Shopping, die der EU-Kommission ein Dorn im Auge sind. Schwere Probleme drohen auch beim Betriebssystem Android.

Im Streit um die Marktmacht von Google droht die EU-Kommission dem Suchmaschinenbetreiber mit einer Milliardenstrafe. Die EU-Behörde wirft Google nun offiziell unfairen Wettbewerb vor und verschickte am Mittwoch die Beschwerdepunkte an den US-Konzern. Zudem nimmt die Kommission in einer getrennten Untersuchung die Dominanz von Googles Betriebssystem Android unter die Lupe, das auf Smartphones und anderen mobilen Geräten läuft.

Zehn Wochen Zeit

Nach Einschätzung der Kommission bevorzugt Google bei seiner Suchmaschine in der Trefferliste eigene Dienste gegenüber Konkurrenzangeboten. Dies schade Wettbewerbern, aber auch Verbrauchern. Der Internet-Konzern hat im Suchmaschinen-Geschäft in Europa einen Marktanteil von 90 Prozent.

"Google hat nun zehn Wochen Zeit, um zu antworten", sagte EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager. Eine Frist für eine Entscheidung der EU-Kommission gibt es nicht. Alle Wege seien noch offen, betonte Vestager. Aber wenn es am Ende keine Lösung gebe, werde die Kommission nicht vor einer Strafe zurückschrecken. In einem Wettbewerbsverfahren in der EU kann die Strafe bis zu zehn Prozent des Jahresumsatzes erreichen. 2014 setzte Google 66 Milliarden Dollar um, vor allem mit Anzeigen im Umfeld der Internetsuche. Der Internetkonzern hingegen verteidigte das Vorgehen bei seiner Suchmaschine. "Die Ergebnisse von Google Shopping haben dem Wettbewerb nicht geschadet", erklärte der Konzern.

Anbieter ausgebremst

Das Android-Verfahren könnte tief in Googles Geschäftsmodell mit dem Smartphone-Betriebssystem schneiden. Android ist an sich frei und kostenlos, aber Hersteller müssen Gebühren bezahlen, wenn sie Google-Dienste wie Maps oder GMail auf ihren Geräten anbieten wollen. Dabei muss man das gesamte Paket buchen und darf sich nicht einzelne Dienste aussuchen. Brüssel stört sich an dieser Praxis. Die Kommission will außerdem prüfen, ob Google mit Anreizen für Hersteller, seine Dienste und Anwendungen exklusiv vorzuinstallieren, Konkurrenten illegal beeinträchtigt habe.

Außerdem soll untersucht werden, ob der Konzern Anbieter behindert habe, die eigene Android-Versionen vermarkten wollten. Android hat weltweit einen Marktanteil von über 80 Prozent im Smartphone-Geschäft.
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