Konzern sieht sich in Existenz bedroht
RWE: Tumulte und Rufe nach Hilfe

Umweltschützer haben am Mittwoch die Hauptversammlung des Energiekonzerns RWE gestört. Bei der Rede von Vorstandschef Peter Terium stürmten mehrere Demonstranten auf die Bühne der Essener Grugahalle. "Eure Zeit ist abgelaufen", skandierten sie. Es dauerte mehrere Minuten, bis die Sicherheitskräfte die Lage im Griff hatten. Einige Demonstranten wurden zu Boden gerissen und weggetragen. Bild: dpa

Der Ausbau erneuerbarer Energien setzt die Betreiber konventioneller Kraftwerke unter Druck. RWE-Chef Peter Terium sieht die Branche in einem gefährlichen Ausnahmezustand.

Essen. RWE ruft angesichts der Einbrüche wegen der Energiewende die Politik um Hilfe. "Weitere massive Verluste unseres Kraftwerksgeschäftes können wir uns auf Dauer nicht leisten", sagte Vorstandschef Peter Terium am Mittwoch bei der Hauptversammlung des Energiekonzerns in Essen. "Wir haben nicht viel Zeit. Unsere finanzielle Situation ist angespannt", sagte er. Börsenstrompreise von nur noch rund 20 Euro pro Megawattstunde bedeuteten den Ausnahmezustand. Damit sei die Versorgungssicherheit in Deutschland in "höchster Gefahr". Die Bundesregierung müsse handeln.

Kreditwürdigkeit in Gefahr


Der Ökostrom-Boom hat die im Großhandel erzielbaren Strompreise dramatisch gedrückt. Die großen Kohle-, Gas- und Atomkraftwerke verdienen kaum noch Geld. Die Energiekonzerne verlangen von der Politik eine Entschädigung dafür, dass sie die großen konventionellen Kraftwerke als Puffer gegen die Schwankungen von Wind- und Sonnenstrom bereithalten. Bislang lehnt die Bundesregierung solche Hilfen ab. Aktionärsvertreter warnten den Konzern daher davor, dass die Hoffnung auf Hilfen der Politik eine Sackgasse sein könnte.

Angesichts der hohen Schulden und der unsicheren Aussichten stellt sich der Konzern bereits auf eine Abstufung seiner Kreditwürdigkeit ein. Darin spiegelten sich die Unsicherheiten über die Kosten für den Atomausstieg wider.

Angesichts der Krise warb Terium um Verständnis für den praktisch kompletten Ausfall der Dividende: "Der Dividendenverzicht ist unumgänglich, wenn wir unsere RWE wieder auf Kurs bringen wollen." Trotz Kritik wegen des Ausfalls der Dividende für 2015 wurde der Vorstand entlastet. Der entsprechende Antrag bekam eine Mehrheit von 97,44 Prozent. Kommunale Aktionäre hatten zuvor eine Nichtentlastung diskutiert. Am Ende hätten aber nur einige Kommunen gegen den Kurs von Terium gestimmt, hieß es. Der frühere SAP-Finanzchef Werner Brandt soll Aufsichtsratsvorsitzender werden. Der RWE-Chef gliedert die Zukunftsbereiche des Unternehmens wie Erneuerbare Energien, Vertrieb und Netze in eine neue Gesellschaft aus. Diese will er an die Börse bringen und so an frisches Geld für Investitionen kommen. In der Muttergesellschaft bleibt das angeschlagene Geschäft mit Kohle-, Gas- und Atomkraft sowie der Energiehandel.

"Eure Zeit ist abgelaufen"


Zu Beginn der Hauptversammlung gab es Tumulte. Umweltschützer störten mehrfach Teriums Rede und stürmten zwischenzeitlich sogar auf die Bühne der Essener Grugahalle. "Eure Zeit ist abgelaufen", skandierten sie. Es dauerte mehrere Minuten, bis die Sicherheitskräfte die Lage im Griff hatten.
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