Kosten sollen in den Keller

Die beiden Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank, Anshu Jain (rechts) und Jürgen Fitschen, scheinen der Rendite hinterherzuschauen, die im vergangenen Jahr nur noch bei 2,7 Prozent lag. Bild: dpa

Die Deutsche Bank verordnet sich eine Schrumpfkur: Ohne Postbank und mit weniger Filialen will der Konzern Milliarden sparen und die Aufseher zufriedenstellen. Wie viele Jobs wegfallen, ist noch unklar.

Die Deutsche Bank will mit einem harten Sparkurs wieder profitabler werden. Allein die Trennung von der Tochter Postbank soll die Kosten um drei Milliarden Euro jährlich drücken. Zudem schließt Deutschlands größtes Geldinstitut gut jede vierte eigene Filiale in seinem Heimatmarkt und will sich aus bis zu zehn Auslandsmärkten zurückziehen. Um rund 150 Milliarden Euro eingedampft wird auch das Kapitalmarktgeschäft.

"Wir werden nicht mehr versuchen, alles für jeden zu sein", erklärte Co-Chef Jürgen Fitschen am Montag in Frankfurt. Gleichwohl bekenne sich der Dax-Konzern zum Modell einer Universalbank mit Angeboten für Privatkunden, Unternehmen und Finanzprofis.

Strategie bis 2020

Die Weichen für den Kurswechsel hatten Vorstand und Aufsichtsrat am späten Freitagabend gestellt und damit seit Herbst laufende Diskussionen beendet. Das radikalere Modell einer kompletten Trennung von Investmentbank und Privatkundengeschäft setzte sich nicht durch. Fitschen betonte, der Vorstand stehe "gemeinschaftlich" hinter der Strategie, die bis 2020 ausgelegt ist, wenn die Bank ihr 150-jähriges Bestehen feiert. Über die Postbank-Einsparungen hinaus will die Deutsche Bank bis dahin ihre operativen Kosten jährlich um zusätzliche 3,5 Milliarden Euro senken. Um dies zu erreichen, rechnet das Institut mit einmaligen Aufwendungen von 3,7 Milliarden Euro.

Zu den Einsparungen beitragen soll auch die Schließung von bis zu 200 der etwa 750 Filialen der Deutschen Bank inklusive Berliner Bank bis zum Jahr 2017. Wie viele Stellen dem Schrumpfkurs zum Opfer fallen, blieb offen. "Wir haben noch keine Entscheidungen bezüglich der Personalmaßnahmen getroffen", sagte Fitschen. Gespräche mit dem Betriebsrat hätten noch nicht begonnen. Ende 2014 zählte der Konzern weltweit gut 98 000 Vollzeitstellen.

Die 10 000 Tarifbeschäftigten der Postbank müssen immerhin vorerst nicht um ihre Jobs fürchten: Das Unternehmen sichert ihnen Kündigungsschutz bis Ende Juni 2017 zu. Darauf einigten sich Arbeitgeber und Gewerkschaft Verdi am Montag. Die 5600 Mitarbeiter in den Postbank-Filialen bekommen zudem ab diesem Monat 2,1 Prozent mehr Geld und ab April 2016 weitere 2,0 Prozent mehr. Bei der Postbank mit ihren 14 800 Beschäftigten will die Deutsche Bank zunächst die verbliebenen Kleinaktionäre hinausdrängen ("Squeeze-Out"). Im August soll eine Postbank-Hauptversammlung die Zwangsabfindung beschließen.

Die Rendite rutscht

"Wir sind zuversichtlich, dass die Deutsche Bank bis 2020 besser kapitalisiert und weniger verschuldet sein wird", erklärten Fitschen und Co-Chef Anshu Jain. Die Gewinnziele allerdings wurden nach unten geschraubt: Dauerhaft hält der Vorstand nur noch eine Rendite auf das Eigenkapital von "mehr als 10 Prozent" nach Steuern für realistisch. Als Jain/Fitschen im Juni 2012 an die Spitze rückten, hatten sie eine Eigenkapitalrendite von 12 Prozent in Aussicht gestellt. Im vergangenen Jahr wurden 2,7 Prozent erreicht.

Im ersten Quartal machten Altlasten erneut den Aufschwung im Tagesgeschäft zunichte. Der auf die Aktionäre entfallende Überschuss halbierte sich zum Vorjahreszeitraum auf 544 Millionen Euro.
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