Kraftwerke als Reserve
Versorger wollen mehr Geld für Irsching

Gaskraftwerke sind umweltfreundlich, aber rechnen sich wegen der Energiewende nicht mehr. Die modernen Anlagen in Irsching dürfen von den Betreibern dennoch nicht abgeschaltet werden. Die aber wollen für den Weiterbetrieb im Reservemodus deutlich mehr Geld.

Düsseldorf/Bayreuth. Die Eigentümer der Gaskraftwerke Irsching bei Vohburg an der Donau fordern vor Gericht mehr Geld für den Weiterbetrieb ihrer Anlagen zur Sicherung der Stromversorgung. Wenn ihnen das verwehrt wird, wollen sie wenigstens das Recht zugesprochen bekommen, die Anlagen vorübergehend stillzulegen, um Kosten zu sparen. Der Konzern Uniper (früher Eon) und die Versorger Entega (Darmstadt), Mainova (Frankfurt) und N-ergie (Nürnberg) haben dazu am Freitag Klagen bei den Landgerichten Bayreuth und Düsseldorf eingereicht. Die Klage richtet sich gegen den Übertragungsnetzbetreiber Tennet in Bayreuth. Es geht um die beiden Irsching-Kraftwerksblöcke 4 und 5. Wegen des Verfalls der Börsenstrompreise rechnet sich der Verkauf des Stroms aus Gaskraftwerken am Markt kaum noch. Die Konzerne hatten deshalb im März 2015 die vorübergehende Abschaltung zum 1. April 2016 beantragt. Dies hatte Tennet aber untersagt, weil die Kraftwerke für die Stromversorgung in Bayern systemrelevant seien. Sie laufen derzeit im Reservebetrieb, wurden 2015 aber nur wenige Stunden abgerufen.

Die jetzige Vergütung sei nicht haltbar, sagte Uniper-Vorstand Eckhardt Rümmler. Die Kosten der Anlagen rechneten sich nicht. Das sei ein Eingriff in das Eigentumsrecht der Betreiber. Nach Branchenkreisen fehlt allein Uniper eine niedrige bis mittlere Millionensumme pro Jahr und Kraftwerksblock zur Rentabilität. Tennet kündigte an, die Klagen zu prüfen. Das Unternehmen betonte in einer Mitteilung, es hoffe auf eine rasche Regelung sowie detaillierte Vorgaben der Regulierungsbehörde. Irsching 4 gilt als eines der modernsten Gaskraftwerke der Welt mit einem Wirkungsgrad von rund 60 Prozent. Die Baukosten für beide Blöcke liegen zusammen bei rund 700 Millionen Euro.

Mit der jetzigen Regelung würden die Betreiber schlechter gestellt als Kraftwerkseigentümer in nicht systemrelevanten Regionen, sagte Rümmler. Ein teilweiser Betrieb etwa nur im Winter oder der Verkauf von Kraftwerksteilen, die auf dem weltweiten Markt sehr begehrt sind, sei damit unmöglich. Mit der Klage wollen die Konzerne offensichtlich auch politischen Druck ausüben. In Berlin steht eine Neufassung des Energiewirtschaftsgesetzes vor der Verabschiedung. Die Finanzierung von Kraftwerken im Reservestand reicht darin aus Sicht der Industrie nicht aus. Bereits Ende April 2015 hatte das Oberlandesgericht Düsseldorf geurteilt, die Vergütung für Irsching 5 sei unangemessen niedrig, weil sie nicht alle Kosten abdecke.
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