Krankenhaus Eschenbach seit drei Jahren geschlossen
Krankenhaus längst nicht tot

Drei Jahre ist das Krankenhaus in Eschenbach geschlossen. Für die Kliniken Nordoberpfalz AG habe sich die Entscheidung als richtig erwiesen, sagt Vorstand Josef Götz. Aber auch dem Standort Eschenbach böten sich heute neue Chancen.

(wüw) Im Sommerinterview mit dem "Neuen Tag" spricht der Chef der Kliniken AG über persönliche Anfeindungen nach der Schließung des Krankenhauses. Er sagt aber auch, dass sich die AG vorstellen könnte, in Abstimmung mit der Kassenärztlichen Vereinigung und den niedergelassenen Ärzten in der ehemaligen Kreisstadt ambulante Leistungen anzubieten. Und er verrät, dass schon bald auf allen Stationen des früheren Krankenhauses wieder Betrieb herrschen dürfte. Das Gespräch führte Redakteur Wolfgang Würth.

Herr Götz, seit gut drei Jahren ist das Krankenhaus in Eschenbach geschlossen, der Ärger ist im westlichen Landkreis noch nicht verraucht. Haben Sie Verständnis dafür?

Josef Götz: Ich kann verstehen, dass die Menschen ihrem Krankenhaus hinterhertrauern. Ein solcher Verlust ist nicht einfach. Kein Verständnis habe ich aber für die Wut und die persönlichen Angriffe, die es nach der Schließung gab. Wir haben uns den Schritt nicht leicht gemacht, das Krankenhaus ist nicht grundlos geschlossen worden.

Die Bundespolitik will die Zahl der Krankenhäuser in Deutschland reduzieren. Das neue Gesetz zur Krankenhausreform hat zum Beispiel ganz ausdrücklich das Ziel, Krankenhäuser zusammenzulegen. Dafür möchte die Regierung sogar einen Strukturfonds mit einer Milliarde Euro bereitstellen. Die Betreiber müssen dann als Prügelknabe für die Bundespolitik herhalten.

Was hat die Schließung für die Kliniken AG gebracht? Haben sich Ihre Erwartungen nach drei Jahren erfüllt?

Götz: Durch die Umwidmung des Standortes kann die Kliniken Nordoberpfalz AG besser mit dem Kostendruck umgehen, auch weil wir in Eschenbach mit der Pflegeeinrichtung für demenzkranke Menschen ein neues Leistungsangebot geschaffen haben. Wir haben damit gerechnet, etwa 40 Prozent der Eschenbacher Patienten zu verlieren. Tatsächlich waren es aber weniger. Im Jahr 2012 bemerkten wir bei den Fallzahlen zwar eine deutliche Delle. Aber bereits 2013 hat die Kliniken AG mehr Patienten behandelt als vor der Schließung des Akutstandortes Eschenbach. Im Jahr 2015 wird die Kliniken Nordoberpfalz AG mehr Patienten behandeln als jemals zuvor.

Die Kliniken AG ist nach wie vor in Eschenbach vertreten. Wie steht es zum Beispiel um das ehemalige Schwesternwohnheim?

Götz:Wir haben bekanntlich die Sparkasse als Immobilienmakler mit dem Verkauf des Gebäudes beauftragt. Einerseits hilft uns ein Verkauf, unsere liquiden Mittel zu erhöhen, andererseits wollen wir uns auf unsere Kernaufgaben konzentrieren, und das ist nun mal nicht das Immobiliengeschäft. Die Sparkasse sucht nun einen Käufer, bisher gibt es dazu nichts Neues zu berichten.

Wie sind Sie mit der Entwicklung der Pflegeheimes für demenzkranke Menschen Haus Laurentius zufrieden?

Götz:Sehr. Der Bedarf für eine solche Pflegeeinrichtung ist groß, die 23 Plätze auf der Station sind belegt, die Arbeiten zum Ausbau der zweiten Station laufen. Wir investieren derzeit rund 300 000 bis 400 000 Euro am Standort Eschenbach und wollen die Station noch in diesem Jahr öffnen.

Die Kliniken AG hat versprochen, dass Bewohner der Einrichtung für stationäre Behandlungen ihr Umfeld nicht verlassen müssen. Bis heute bietet die Einrichtung keine stationäre Behandlung in Eschenbach an. Bricht die AG ihr Wort?

Götz:Für typische Alterserkrankungen wie Dehydrierung sollen die Menschen nicht mehr in ein fremdes Krankenhaus müssen. Solche Ortsveränderungen sind für demente Menschen immer problematisch. Wir haben in Eschenbach alle Möglichkeiten zur Behandlung und können Ärzte von anderen Standorten dorthin bringen.

Allerdings würden wir damit stationäre Leistungen außerhalb eines Krankenhauses anbieten, und das dürfen wir nicht ohne Einverständnis der Krankenkassen. Ein solches Angebot ist nicht vorgesehen. Wenn Sie eine solche Neuerung umsetzen wollen, müssen Sie dicke Bretter bohren. Wir verhandeln mit den Kassen und ich bin zuversichtlich, dass wir uns demnächst auch einigen. Ich hoffe, dass wir ab dem kommenden Jahr den Patienten diese akut-stationäre Versorgung bieten können.

Um den Notarztstandort in Eschenbach ist es ruhiger geworden. Ist das ein Zeichen, dass es gut läuft?

Götz:Die Kliniken AG stellt nach wie vor am Donnerstag und Freitag den Notarzt. Wir müssten das nicht tun, weil für den Notarztdienst die Kassenärztliche Vereinigung zuständig ist. In Neustadt/WN oder Vohenstrauß halten alleine niedergelassene Ärzte den Notarztdienst aufrecht, ohne Unterstützung von Krankenhausärzten. Wir helfen aber gerne in Eschenbach. Derzeit sind mir keine Probleme bekannt. Sollte es welche geben, sind wir zu Gesprächen mit Kassenärztlicher Vereinigung und Rettungszweckverband bereit.

Was ist dran an den Plänen, eine Station des Krankenhauses in Eschenbach an die Regens-Wagner-Stiftung zu vermieten?

Die Gebäude der Stiftung in Michelfeld sind sanierungsbedürftig. Die Einrichtung soll abschnittsweise in den nächsten zehn Jahre erneuert werden. In dieser Zeit möchte die Leitung der Einrichtung eine Station im Eschenbacher Krankenhaus anmieten. Die Gespräche laufen gut. Ich hoffe, dass die Regens-Wagner-Stiftung die Station Anfang 2016 bezieht. Dann wären alle drei Stationen im Krankenhaus wieder belegt.

Ist dann überhaupt noch Platz für ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ)?

Götz: Für ein solches ambulantes Versorgungsangebot würden sich die Räume der früheren Orthopädie- und Chirurgie-Praxis Kian und Eißner anbieten. Allerdings wären dafür freie Arztsitze nötig, die die Kliniken AG aufkaufen könnte.

Die Kliniken AG würde dann Ärzte anstellen, die dann die Leistungen einer Praxis anbieten?

Götz: Aus juristischen Gründen würde die Kliniken AG wie in Weiden und Waldsassen eine Tochter-GmbH gründen, die die Ärzte anstellt. Einen Versuch gab es bereits, als eine Internistin in Eschenbach ihre Praxis aufgab. Leider wollte sie ihren Arztsitz nicht an die AG verkaufen.

Wenn die Kliniken AG bereit ist, in Eschenbach ein MVZ zu betreiben, wieso ist dann eine Studie über die grundsätzlichen Möglichkeiten in Eschenbach nötig?

Götz:Es kann nie schaden, wenn ein Experte von außen die Situation einschätzt, was in welchen medizinischen Fachbereichen wirtschaftlich möglich ist. Wir haben den Auftrag für diese Untersuchung inzwischen vergeben. Ich gehe davon aus, dass im Herbst das Ergebnis vorliegt.

Um diese Studie gab es zuletzt Irritationen im Eschenbacher Stadtrat. Wie sehen Sie ihr Verhältnis zu den Kommunalpolitikern?

Götz: Ich treffe Bürgermeister Peter Lehr regelmäßig zu Jour-fix-Gesprächen. Mein Verhältnis zu ihm ist unproblematisch, genau wie zu den Stadträten. Wenn es in einer Sitzung des Stadtrats einmal hoch her geht, dann kann ich das gut aushalten.

Welche Rolle spielt bei den Schließungen die Tatsache, dass der Anteil des Landkreises Neustadt an der Kliniken AG so gering ist? Bislang sind mit Eschenbach, Neustadt/WN und Vohenstrauß nur Krankenhäuser in diesem Landkreis geschlossen worden.

Götz:Der Anteil der Landkreise spielt keine Rolle. Für jede Schließung gab es sachliche Gründe. Beim Krankenhaus Neustadt/WN war es zum Beispiel die Nähe zum Schwerpunktstandort in Weiden. In Eschenbach waren es vor allem ärztliche und wirtschaftliche Gründe. Auch vor der Schließung haben sich die meisten Menschen aus dem Städtedreieck in Weiden behandeln lassen.

Bekommt die Kliniken AG von ihren Trägern genug Unterstützung? Läge das Krankenhaus Eschenbach in Oberbayern, wäre es heute womöglich nicht geschlossen?

Götz: Die Zusammenarbeit mit unseren Trägern läuft meiner Meinung nach sehr gut. Bei dem Vergleich mit Oberbayern darf man nicht übersehen, dass oberbayerische Landkreise ganz andere finanzielle Möglichkeiten haben. Wir leben in der Oberpfalz in einer strukturschwächeren Region. Das muss uns bewusst sein.

Müsste auf Länderebene mehr getan werden, um bei der Gesundheitsversorgung Gleichheit der Lebensbedingungen sicherzustellen?

Götz: Bevor man dies beantwortet, müsste man klären, was bedarfsnotwendige Versorgung ist. Wir müssen uns im Klaren sein, dass es in Deutschland und auch in Bayern Regionen gibt, die medizinisch weit schlechter versorgt sind, in denen der Weg zum nächsten Krankenhaus wesentlich weiter ist als in der nördlichen Oberpfalz. Es gibt neue Möglichen der Kommunikation und des Transports. Wird dadurch nicht auch eine größere Entfernung zumutbar? Natürlich ist bei der medizinischen Versorgung in unserer Region viel mehr möglich. Die Frage ist aber, wie viel wir uns mit Blick auf die Finanzlage leisten können.
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