"Kreative Zerstörung"

Die digitale Revolution durchzieht immer mehr alle Lebens- und Arbeitsbereiche. Werden dadurch Arbeitsplätze vernichtet? Das Ende der Arbeit sei keineswegs in Sicht, ganz im Gegenteil, meinen Experten.

Die Digitalisierung wird die Arbeitswelt nach Einschätzung von Experten weiter tiefgreifend verändern. "Viele Unternehmen und mächtige Wirtschaftszweige werden verschwinden", sagte Klaus Zimmermann, Direktor des Instituts zur Zukunft der Arbeit IZA am Mittwoch in Berlin.

Eine andere Arbeit

Zugleich würden aber auch ständig neue Tätigkeitsfelder, Firmen und ganze Branchen neu entstehen. Die "Digitale Revolution" sorge demnach nicht für weniger, sondern nur für andere Arbeit. Zugleich verwies Zimmermann auf die Potenziale der Digitalisierung. Der Prozess der "kreativen Zerstörung" sei nicht neu. Immer wieder hätten neue Technologien einen umfangreichen Wandel eingeläutet. "Das Ende der Arbeit ist uns dabei schon öfter vorhergesagt worden." Doch auch heute sei es nicht in Sicht, im Gegenteil. Die digitale Wirtschaft in Deutschland sei heute mit der Automobilbranche vergleichbar und habe den Maschinenbau bei der Zahl der Beschäftigten und der Unternehmen überholt.

Vor allem für kleine und mittelständische Unternehmen habe das Internet ganz neue Möglichkeiten eröffnet, sagte Matt Brittin, Europa-Chef von Google. Als Beispiel nannte er die Kuckucksuhren, die heute über das Netz in alle Welt exportiert werden. Das sei vor 25 Jahren undenkbar gewesen. Neue Service-Angebote könnten schnell entstehen. Allerdings, so schätzt Zimmermann, würden sich die wirtschaftlichen Risiken in der Arbeitswelt immer mehr von den Unternehmen zu den Arbeitnehmern verlagern. "Arbeitnehmer werden zu Unternehmern in Unternehmen - zu ,Arbeitnehmerselbständigen'." Als Beispiel nannte er den Fahrdienstvermittler Uber. Dies sei ein virtueller Marktplatz, der Gelegenheitsfahrer und Fahrgäste zusammenbringe. Das Prinzip lasse sich auch auf viele andere Berufsgruppen ausweiten. Dieser Trend werde für die sozialen Sicherungssysteme ganz neue Herausforderungen ergeben.

"Wachsender Ehrgeiz"

Was die Innovationskraft gerade junger Unternehmen in Deutschland angeht, gebe es gar nicht so viele Unterschiede zum Silicon Valley, sagte Brittin. Der Zugang zu zahlungskräftigen Investoren sei zwar ein, aber nicht der wichtigste Aspekt für Start-ups. "Viel wichtiger ist Ehrgeiz", sagte Brittin. Und der wachse mehr und mehr in Europa.
Weitere Beiträge zu den Themen: Berlin (7520)Februar 2015 (7876)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.