Krise in der deutschen Stahlindustrie
Tausende Arbeiter auf der Straße

Bei Thyssenkrupp in Duisburg ging am Montagmorgen nichts mehr. Die Produktion war durch die Proteste nahezu lahmgelegt. Bei einem bundesweiten Aktionstag waren tausende Stahlkocher für ihre Arbeitsplätze auf die Straße gegangen. Bild: dpa

40 000 Stahlkocher schlagen Alarm, die Gewerkschaft warnt vor massiven Arbeitsplatzverlusten, Wirtschaftsminister Gabriel sagt Unterstützung zu - die Probleme der Branche sorgen für wachsende Unruhe.

Duisburg/Dillingen. In der Stahlkrise haben am Montag deutschlandweit mehr als 40 000 Beschäftigte für eine Zukunft ihrer Arbeitsplätze demonstriert. "Geht der europäische Stahl den Bach runter, dann sind Millionen von Arbeitsplätzen in Europa in Gefahr", sagte IG-Metall-Chef Jörg Hofmann vor rund 16 000 Demonstranten am Montag bei einer Kundgebung vor den Toren des größten deutschen Stahlkonzerns Thyssenkrupp in Duisburg. Die Teilnehmer forderten von der EU einen besseren Schutz vor Billig-Importen aus China und warnten vor weiteren Belastungen durch neue Klima- und Energieauflagen.Bereits am frühen Morgen hatten Stahlkocher die Produktion bei Thyssenkrupp weitgehend gestoppt.

"Auf jeden der 85 000 Stahlarbeitsplätze kommen über sechseinhalb Beschäftigte in den Abnehmerbranchen, die davon abhängen", sagte der Gewerkschaftschef. Sobald ein Hochofen stillgelegt sei, seien Arbeitsplätze auf Dauer vernichtet. Laut Arbeitgebern zählt die Branche rund 86 000 Beschäftigte.

Proteste auch im Saarland


Kundgebungen fanden auch in Berlin und anderen Bundesländern statt. Allein im Saarland gingen rund 20 000 Menschen auf die Straße. Schon in der vergangenen Woche hatten rund 4000 Beschäftigte der niedersächsischen Stahlindustrie demonstriert. Im Februar waren Tausende Stahlarbeiter und Manager in Brüssel gegen die EU-Politik auf die Straße gegangen.

"Industrie Teil der Lösung"


Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) forderte in Duisburg faire Rahmenbedingungen für die Hersteller. Wettbewerbsfähige Unternehmen dürften nicht durch subventionierte Importe vom Markt verdrängt werden.

Gabriel kündigte an, in der Klimapolitik keinem Plan zuzustimmen, der die Zukunft der deutschen Stahlerzeugung gefährde. "Die Industrie ist ein Teil der Lösung und nicht das Problem. Nur mit einer modernen Industrie in Deutschland und Europa ist eine gute Klimapolitik möglich", sagte Gabriel.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.