Krisen in aller Welt bremsen auch Eurozone - Rezessionsängste unbegründet
Deutsche Wirtschaft lahmt

Im Gegensatz zu Deutschland nimmt der Aufwärtstrend in Spanien Fahrt auf. Bild: dpa
Deutschland fällt vorerst als Konjunkturmotor Europas aus. Im dritten Quartal wuchs die deutsche Wirtschaft im Vergleich zum Vorquartal preis-, saison- und kalenderbereinigt nur um 0,1 Prozent, teilte das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden mit. Damit schrammte Europas größte Volkswirtschaft haarscharf an einer Rezession vorbei.

Deutlich rasanter entwickelte sich die Konjunktur im einstigen Krisenland Spanien (BIP-Plus von 0,5 Prozent), bei Sorgenkind Frankreich (+ 0,3 Prozent) und vor allem in Griechenland: Das krisengeplagte Hellas steigerte sein Bruttoinlandsprodukt (BIP) überraschend deutlich und wuchs im Sommer so kräftig wie kein anderes Land der Eurozone. Von Juli bis August stieg das BIP um 0,7 Prozent zum Vorquartal. Damit dürfte die sechs Jahre andauernde Phase mit starken Konjunktureinbrüchen überwunden sein.

Im dritten Quartal kam die Wirtschaft in der Eurozone etwas stärker in Schwung als erwartet: Das BIP legte im Vergleich zum Vorquartal um 0,2 Prozent zu, wie das Europäische Statistikamt Eurostat nach einer ersten Schätzung mitteilte. Volkswirte hatten nur mit 0,1 Prozent gerechnet.

Quälend langsame Erholung

Für Experte Christoph Weil von der Commerzbank zerstreut dies die in Europa zwischenzeitlich aufgekommenen Rezessionsängste. "Doch wer nun auf einen nachhaltigen Aufschwung im Euroraum hofft, dürfte enttäuscht werden. Die Euro-Wirtschaft wird sich auch in den kommenden Quartalen nur quälend langsam erholen", sagte Weil. Das liegt auch an der aktuellen Schwäche Deutschlands. Nur die Kauflust der Verbraucher bewahrte die hiesige Wirtschaft vor der Rezession: Im Frühjahr war die Wirtschaftsleistung nach korrigierten Zahlen geringfügig um 0,1 (angenommen: 0,2) Prozent zum Auftaktquartal gesunken.

Wäre das BIP weiter geschrumpft, hätte man von einer leichten Rezession gesprochen. Die meisten Experten gehen davon aus, dass die "Wachstumsdelle" andauern dürfte. "Wichtigste Gründe sind die Unsicherheit aufgrund der zahlreichen geopolitischen Krisen, vor allem aber die immer wieder aufs Neue enttäuschten Hoffnungen auf einen Aufschwung für Europa", sagte KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner.
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