Krisen und Terrorangst setzen traditionellen Ferienländern zu
Spanien und Italien statt Türkei

Terror und instabile politische Zustände haben einige beliebte Reiseländer für Urlauber unattraktiv gemacht. Andere, wie Spanien (im Bild Playa de La Zurriola in San Sebastian) profitieren von der Entwicklung. Bild: dpa

Krisen und Terrorangst setzen traditionellen Ferienländern wie der Türkei zu. Auch der kriselnden Fluggesellschaft Air Berlin macht dies zu schaffen. In Spanien oder Italien boomt dagegen das Geschäft mit den schönsten Wochen des Jahres - aufs Reisen verzichten wollen nur wenige.

Frankfurt/Berlin. Urlauberansturm in Spanien, Italien oder Portugal - Buchungseinbrüche bei Reisen in die Türkei, nach Ägypten und Tunesien: Die Sorge vor Terroranschlägen und politischen Turbulenzen verschiebt die Reiseströme. Viele Urlauber meiden langjährige Lieblingsziele wie die Türkei. Im Juni - also noch vor dem Putschversuch - besuchten nur 2,4 Millionen Ausländer das Land, knapp 41 Prozent weniger als im Vorjahresmonat.

Einbußen für Airlines


Fluggesellschaften wie Air Berlin leidet unter den Problemen in wichtigen Feriengebieten. Die instabile Lage etwa in der Türkei und Nordafrika treffe Deutschlands zweitgrößte Airline "besonders hart", sagte Vorstandschef Stefan Pichler. Die Terrorangst bremse die Nachfrage. Pichler kündigte "tiefgreifende Veränderungen" im Unternehmen an. Nach der Vorlage schwacher Zahlen zum zweiten Quartal am Dienstag ging es für die Air-Berlin-Aktie am Mittwoch kurzzeitig um mehr als sieben Prozent nach unten. Wenig später verringerte sich das Minus auf rund ein Prozent. Beim derzeitigen Aktienkurs von rund 70 Cent wäre die gesamte Air Berlin rechnerisch für 81 Millionen Euro zu haben. Der Preis eines Airbus-Mittelstreckenjets. 30 Prozent der Aktien gehören der arabischen Fluglinie Etihad, die ihren Ableger seit Jahren mit Finanzspritzen in der Luft hält. Andere Staaten profitieren aber von der Situation:

Spanien: Das beliebteste Reiseziel der Bundesbürger erlebt einen regelrechten Boom. Selbst auf den Kanarischen Inseln - ein klassisches Winter-Reiseziel - stehen die Zeichen auf Rekord. Das Kanarische Institut für Statistik rechnet in diesem Jahr mit mehr als 14 Millionen Besuchern (2015: 13,3 Millionen). In der ersten Jahreshälfte 2016 kamen über sechs Millionen Reisende (plus 13 Prozent).

Die Buchungen deutscher Urlauber in den stationären Reisebüros stiegen bis Ende Juni nach Angaben des Reiseverbandes DRV um 20 Prozent. Auf dem spanischen Festland legten sie um 11 Prozent zu, für Mallorca und Co. um 4. Dass der Zuwachs für die Balearen nicht größer ausfällt, liegt daran, dass die Kapazitäten dort fast ausgeschöpft sind.

Italien: Das Sehnsuchtsland vieler Deutscher ist 2016 auch bei den Italienern selbst sehr beliebt. Die Tourismusbranche rechnet mit einem Rekordsommer. Nach Schätzungen des Hotelverbands Federalberghi wollen 33,3 Millionen italienische Touristen im Sommer "daheim" Urlaub machen, das sind 9,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Bei den Deutschen ist das Land ohnehin ein Lieblingsziel - Rang zwei 2015 mit 10,8 Millionen Urlaubern.

Griechenland, Bulgarien, Portugal: Auch hier boomt das Geschäft. Griechenland rechnet in diesem Jahr mit einem Rekord von bis zu 27 Millionen Touristen aus dem Ausland. Bulgarien verzeichnet das stärkste Halbjahr seit zehn Jahren. Aus Deutschland kamen allein im Juni 62 Prozent mehr Urlauber als im Vorjahresmonat. Für Portugal lag die Zahl der Buchungen der Bundesbürger Ende Juni um 17 Prozent im Plus.

Deutschland: Die Bundesrepublik zählt zu den zehn beliebtesten Reisezielen weltweit - und zu den Lieblingszielen der Bundesbürger. Bislang ist der Deutschland-Tourismus auf dem Weg zum siebten Rekordjahr in Folge. In den ersten fünf Monaten stieg die Zahl der Übernachtungen von Reisenden aus dem In- und Ausland um 4 Prozent auf 157,5 Millionen. Welche Folgen die Gewalttaten von Würzburg und München haben, ist unklar. Vereinzelt berichteten Hotels von sinkenden Zahlen. "Gerade im Hinblick auf ausländische Buchungen spüren wir aktuell durchaus ein zögerliches Verhalten", sagte der Manager des Westin Grand Hotels in Frankfurt, Michael Fritz, jüngst. Insgesamt sprechen Hotelketten aber von stabilem Buchungsverhalten.
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