Krisenwährung in der Krise?

1000-Gramm-Goldbarren liegen in den Werkhallen des Edelmetall- und Technologiekonzerns Heraeus in Hanau. Bild: dpa

"Gold dem Untergang geweiht", "Goldabsturz noch lange nicht vorbei": Glaubt man den Schlagzeilen der vergangenen Wochen, sind die glänzenden Zeiten des Edelmetalls als Anlage vorbei. Doch nicht alle Experten sehen so schwarz.

"Das Edelmetall hat seinen Status als sicherer Hafen verloren", urteilten die Anlageexperten der Kölner Privatbank Sal. Oppenheim Anfang August und verbannten Gold als Anlageklasse kurzerhand aus ihrem Bestand. Auch viele Profi-Investoren wie Hedgefonds kehrten dem Rohstoff in den vergangenen Wochen den Rücken. Radikale Einzelmeinungen oder Trend? Sollten sich auch Privatanleger zurückhalten - obwohl der Goldpreis mit gut 1100 Dollar je Feinunze (etwa 31 Gramm) auf den tiefsten Stand seit dem Rekordsommer 2011 (gut 1900 Dollar) gefallen ist und zum Einstieg lockt?

Warten auf Zinswende

"In den vergangenen Monaten hat sich die Stimmung gegenüber Gold und anderen Edelmetallen ins Negative gedreht", kommentiert Ole Hansen, Rohstoffexperte der Saxo Bank. Die Gründe seien zahlreich: fehlende Inflation, steigende Anleihenrenditen, kein Bedarf an "sicheren Häfen", ein steigender Dollarkurs sowie wachsende Erwartungen bezüglich einer Zinswende in den USA. "Dies alles hat zu einem Exodus aus Goldinvestments geführt", analysiert Hansen. Vor allem die Erwartung, dass die US-Notenbank Fed in absehbarer Zeit erstmals seit der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 die Zinsen wieder anheben wird, hat großen Einfluss. Das Ende der Nullzinspolitik gibt einem entscheidenden Nachteil von Gold wieder mehr Gewicht: Das Edelmetall wirft weder Zinsen noch Dividenden ab. Zugleich machen steigende Zinsen Anlagen in den USA attraktiver. Das wertet den Dollar gegenüber dem Euro weiter auf - und verteuert faktisch Gold für Anleger aus Europa.

Doch diese Rechnung greift nach Einschätzung von Wolfgang Wrzesniok-Roßbach, Geschäftsführer von Degussa Goldhandel, zu kurz. In der "Zeit" führte er Mitte Juli aus: "Wenn Sie zum Beispiel den Goldpreis nicht in Dollar nehmen, sondern in Euro, dann ist er in den vergangenen Monaten um 10 bis 15 Prozent gestiegen - und damit mehr als die Aktienmärkte in diesem Zeitraum." Gold habe damit den Verlust des Euro für Europäer mehr als aufgewogen.

"Stabilisierungselement"

Auch Eugen Weinberg, Rohstoff-Experte der Commerzbank, stellt die grundsätzliche Bedeutung von Gold als Bestandteil eines ausgewogenen Korbes verschiedener Anlagen nicht infrage. "Man sollte sich eher freuen über die niedrigen Goldpreise: Dadurch ist die Versicherung - Gold als Stabilisierungselement im Portfolio - derzeit relativ günstig." Weinberg rechnet mittelfristig wieder mit steigenden Preisen - allein deshalb, weil Schwankungen in anderen Anlageklassen wie Aktien irgendwann wieder zunehmen werden und das erfahrungsgemäß die Nachfrage nach dem Edelmetall anziehen lässt.

Die Investmentstrategen von Sal. Oppenheim sind hingegen skeptisch. "Ein Investment lohnt sich auch mittelfristig nicht mehr", meint Portfoliomanager Maximilian Uleer. Die jüngste Entwicklung erinnere an das Jahr 1980: Damals brach der Goldpreis binnen zwei Jahren um rund 50 Prozent ein. Es dauerte fast 20 Jahre, bis der Preis wieder zu einem positiven Trend fand. Viele Anleger lassen sich von solch düsteren Prognosen offensichtlich nicht beeindrucken: "Private Anleger haben uns im vergangenen Monat den besten Absatz des Jahres beschert. Die Verkaufszahlen lagen 20 Prozent über dem Durchschnitt", schildert Daniel Marburger vom Frankfurter Edelmetall-Händler Coininvest. "Viele Anleger sagen sich ,Jetzt erst recht' und greifen beherzt zu."
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