Kritik an Brauereien
Alkoholfreies Bier nur Etikettenschwindel?

"Alkoholfreies" Bier ist in meist nicht alkoholfrei. Das machen inzwischen immer mehr Brauer kenntlich - mit Hinweisen wie "Alc. 0,5 Prozent vol.". Verbraucherschützern geht das jedoch nicht weit genug. Bild: dpa

Das Wort "alkoholfrei" auf der Flasche sichert Brauereien den Absatz. Dass trotzdem Alkohol im Bier ist, steht nur im Kleingedruckten. Verbraucherschützer fordern mehr Transparenz für Konsumenten.

Berlin. "Alkoholfreies" Bier ist in den meisten Fällen nicht alkoholfrei. Das machen inzwischen immer mehr Brauereien auf der Flasche kenntlich - mit Hinweisen wie "Alc. <0,5% vol.", also weniger als 0,5 Prozent Alkohol. Nach zwei Jahren sei die vereinbarte Kennzeichnung auf breiter Front umgesetzt, teilte der Deutsche Brauer-Bund mit. Verbraucherschützern geht das jedoch nicht weit genug. Denn noch immer dominiert das Wort "alkoholfrei" die Flaschen - erst bei genauem Hinsehen auf der Rückseite findet sich der kleingedruckte Hinweis, dass das eigentlich nicht stimmt. Und manche verzichten noch immer auf diesen Vermerk.

Foodwatch kritisiert


Aus Sicht von Foodwatch täuschen Brauer daher die Biertrinker weiter. "Alkoholfrei suggeriert, dass kein Alkohol drin ist", sagte Foodwatch-Volkswirtin Lena Blanken. "Da hilft kein kleiner Aufdruck auf der Rückseite." Die Organisation fordert, "alkoholarm" statt "alkoholfrei" auf die Etiketten zu schreiben, auch auf der Vorderseite. Vorbilder dafür gebe es etwa in Großbritannien. Herkömmliche Pilsner haben rund fünf Volumenprozent Alkohol. Biere mit 0,0 Prozent sind selten, 0,5 Prozent sind in den meisten "alkoholfreien" enthalten - wegen des Geschmacks. Für die Brauer das sehr einträglich: Während sie in Deutschland insgesamt immer weniger verkaufen, steigt der "Alkoholfrei"-Absatz. Rechnerisch trägt schon mehr als jede 20. Flasche das Prädikat.

"Nicht nachweisbar"


"Idealer Durstlöscher auch nach dem Sport und für Autofahrer", heißt es auf aktuellen Aktionsetiketten von "Krombacher Alkoholfrei". Der Hinweis auf Alkohol findet sich klein am Flaschenhals. "Ein physiologisch unwirksamer Rest Alkohol bleibt zur geschmacklichen Abrundung auch im alkoholfreien Bier", teilt die Brauerei mit. Sie betont: "Dieser Restalkoholgehalt ist so gering, dass er keinen nachweisbaren Einfluss auf die Konsumenten hat."

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen hatte im Juni 2014 die kleingedruckte Kennzeichnung mit dem Brauerbund vereinbart. Umfragen hatten ergeben, dass 70 bis 80 Prozent der Bundesbürger darauf vertrauten, "alkoholfreies" Bier sei vollständig alkoholfrei.

Die Kennzeichnung habe sich sehr gut durchgesetzt, heißt es bei den Verbraucherzentralen. Widersprüchlich sei die Angabe zwar, aber immerhin ein Kompromiss. Wenn sich zeige, dass die Unklarheit bei den Kunden bleibe, werde man wieder auf die Brauer zugehen. Auch Foodwatch erwägt, die Kennzeichnungsfrage wieder aufzugreifen.

Zu den Brauereien, die den Alkohol im "alkoholfreien" Bier auf Etiketten bislang verschweigen, zählt die Alpirsbacher Klosterbrauerei im Schwarzwald. Man halte sich an die Kennzeichnungsverordnung für Lebensmittel, teilte die Brauerei auf Anfrage mit. Über eine Änderung nach dem Muster "Alk. < 0,5 vol." könne aber sicherlich diskutiert werden.

"Bekömmlicher" Bierstreit geht weiterDer Streit um den Begriff "bekömmlich" in der Bierwerbung kommt im Sommer oder Herbst vor das Oberlandesgericht in Stuttgart. Der Zwist zwischen einer Brauerei aus Leutkirch im Kreis Ravensburg und dem Verband Sozialer Wettbewerb (VSW) aus Berlin währt schon länger: Seit Sommer 2015 streiten die beiden Parteien darüber, ob Bier als "bekömmlich" beworben werden darf oder nicht. Aus Sicht der Brauerei ist der Begriff eine "reine Qualitätsaussage". Der VSW versteht das Wort dagegen als "gesundheitsbezogene Angabe", die bei alkoholischen Getränken nicht erlaubt sei. Der Prozess hatte zunächst das Landgericht Ravensburg beschäftigt: In zwei Urteilen vom Sommer 2015 und Februar 2016 entschieden die Richter, dass die Brauerei ihr Bier nicht mehr mit dem Wort "bekömmlich" bewerben darf. Dagegen hatte sie Berufung eingelegt. (dpa)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.