Kurs der Währung im freien Fall - Tägliche Preissteigerungen
Russen in Rubel-Panik

Bereits die Sanktionen des Westens hat zu steigenden Preisen in Russland geführt. Nun geht der Kurs der Landeswährung immer tiefer in den Keller. Bild: dpa
Der Rubel rollt in den Abgrund. Der Preis für einen Euro steigt am Dienstag an der Moskauer Börse zeitweilig über die psychologisch wichtige Marke von 100 Rubel. Vor einem "Währungskollaps" warnen Analysten. Auch die Aktienmärkte brechen an diesem Tag ein. Die russische Währung, die Mitte Januar noch bei etwa 45 Rubel je Euro lag, hat somit rund 60 Prozent ihres Wertes verloren. "Die Lage ist kritisch", sagt der Vizechef der Zentralbank, Sergej Schwezow. Die Rubel-Krise spreche für einen massiven Vertrauensverlust der Investoren in die Wirtschaftspolitik der Regierung, klagt der frühere Finanzminister Alexej Kudrin. Zweimal hat die Zentralbank in Moskau binnen einer Woche die Leitzinsen angehoben auf nun 17 Prozent. Zuvor hatte die Notenbank sechs Milliarden Dollar auf den Markt geschüttet, um die Währung vor dem Verfall zu retten. Aber nichts hilft.

In vielen Moskauer Geschäften etwa für Technik und Möbel gehen Händler wie in den 1990er Jahren dazu über, die Preise in y.e. - einer an den Euro oder Dollar angelehnten Währungseinheit - anzugeben. Das ist eigentlich verboten. Es verhindert allerdings das ständig neue Auspreisen von Waren, die Händler für harte Währung im Ausland eingekauft haben. Die Preise steigen täglich.

Viele Russen fühlten sich an das Chaos der 1990er Jahre erinnert, wie die Zeitung "Wedomosti" schreibt. Kremlchef Wladimir Putin verdankt seine Popularität der vergangenen Jahre einem wachsenden Wohlstand. Doch seit der Annexion der zur Ukraine gehörenden Halbinsel Krim geht es bergab. Erst drückten die Sanktionen des Westens auf die ohnehin in Teilen noch rückständige und von Korruption geprägte Wirtschaft. Die Strafmaßnahmen verhindern auch den Zufluss von frischem Kapital. Dann setzte der fallende Ölpreis der Energiegroßmacht zu, deren Haushalt sich traditionell zum Großteil aus den Petrodollars speist. Auch die Kapitalflucht erreicht Rekordwerte. Und nun kommen noch Währungsspekulanten ins Spiel. Der Ex-Geheimdienstchef Putin, der vor Panik warnt und sich sonst auffallend zurückhält, hat ein hartes Vorgehen gegen die Spekulanten angedroht. Doch auch diese Drohungen helfen dem Rubel bislang nicht.
Weitere Beiträge zu den Themen: Moskau (351)12-2014 (6638)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.