Landwirte besorgt: Milchpreis auf Talfahrt

Wie viele Tropfen braucht es noch, bis bei den Landwirten wieder das Fass überläuft? 2009 war der Milchpreis so stark zurückgegangen, dass Bauern europaweit um ihre Existenz fürchteten. Es kam zu teils heftigen Protesten. Derzeit befindet sich der Milchpreis wieder im Sinkflug. Archivbild: dpa

Die Verbraucher können sich über Preissenkungen bei Milch, Molkereiprodukten und auch Fleisch freuen. Ein Überangebot macht das möglich. Landwirten bereitet die Talfahrt dagegen große Sorgen.

Milch und weitere Grundnahrungsmittel werden billiger. Die Discounter Aldi Nord und Aldi Süd läuteten am Montag eine Preissenkungsrunde im Handel ein. Sie senkten die Preise für Frischmilch und H-Milch um jeweils zehn Cent je Liter. Auch bei einer Reihe von Molkereiprodukten wie Quark, Sahne und Kondensmilch sowie Fleischwaren wie Hackfleisch setzen die beiden Schwesterunternehmen den Rotstift an. Aldi-Konkurrenten wie Lidl, Norma, Edeka sowie die Edeka-Tochter Netto und Rewe vollzogen Preissenkungen oder kündigten solche an. Aldi gilt im deutschen Lebensmittelhandel als Schrittmacher. An den Preisen orientieren sich erfahrungsgemäß große Supermarktketten in ihrer untersten Preislage.

"Nicht akzeptabel"

Der Deutsche Bauernverband bezeichnete es als "nicht akzeptabel, wenn Molkereien und Lebensmittelhandel als einzige Antwort auf die derzeitige Marktsituation in die alten Verhaltensmuster der Billigpreispolitik zurückfallen." Dies widerspreche auch deren Verantwortung gegenüber den Milchbauern und der Milchproduktion in Deutschland. Greenpeace forderte faire Preise. "Die Anforderung an Qualität und Nachhaltigkeit müssen erfüllt werden", teilte die Umweltschutzorganisation mit. Der Deutsche Tierschutzbund sprach von einer Preis-Dumping-Strategie, die auf dem Rücken der Tiere und auch der Landwirte ausgetragen werde. Erst im Januar seien die Preise für Eier massiv gesenkt worden, im März die für Fleisch.

Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter fordert von Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) einen runden Tisch. "Wir steuern wieder auf eine Krise zu", sagte der Verbandssprecher Hans Foldenauer. Eine weltweit hohe Milchproduktion und eine schwächere Nachfrage aus Asien drückten auf die Preise. Die russischen Sanktionen seien dabei ein zusätzlicher Effekt gewesen. Der Verband geht davon aus, dass der Auszahlungspreis der Molkereien für die Milchviehhalter in Deutschland Richtung 30 Cent je Kilogramm Rohmilch sinken wird. Das sei mehr als im zurückliegenden Krisenjahr 2009, als der durchschnittliche Auszahlungspreis zeitweise nur noch knapp über 20 Cent je Kilogramm Rohmilch gelegen habe.

Kosten gestiegen

Foldenauer gab jedoch zu bedenken: "Durch die hohen Kostensteigerungen wären 30 Cent je Kilogramm mit der Situation von 2009 vergleichbar." Derzeit betrage der Auszahlungspreis schätzungsweise 33 Cent je Kilogramm Rohmilch. Aldi Nord und Aldi Süd verwiesen auf ein Überangebot auf den Märkten, das zu sinkenden Rohstoffpreisen führe.
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