Landwirte in Sorge um ihr Image

Auf dem Bauerntag in Erfurt machten Landwirte am Donnerstag zusammen mit Thüringens Bauernpräsident Helmut Gumpert (Mitte) und Verbandspräsident Joachim Rukwied (rechts) ihrem Frust Luft. Zweiter von rechts Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU). Bild: dpa

Deutschlands Bauern fühlen sich immer öfter als Prügelknaben, wenn es um Themen wie Tierschutz geht. Auf dem Bauerntag in Erfurt machen sie ihrem Frust Luft. Kritik kommt von Umweltschutzorganisationen.

Die Bauern in Deutschland sind in Sorge um ihr Ansehen in der Gesellschaft. Angesichts wachsender Kritik etwa an den Bedingungen in der Tierhaltung fühlten sie sich immer häufiger zu Unrecht angegriffen, beklagten einige beim deutschen Bauerntag in Erfurt. Am Donnerstag demonstrierten mehrere Hundert Landwirte vor der Erfurter Messe für faire Preise und mehr Wertschätzung für ihre Arbeit. "Wir Bauern wirtschaften nachhaltig und gehen hervorragend mit unseren Tieren um", sagte Verbandspräsident Joachim Rukwied. Die Landwirte seien offen für Verbesserungsvorschläge - sie müssten aber praktikabel sein. Dies sei bei vielen Alternativen, etwa zur Kastration von Schweinen, noch nicht der Fall.

Keine schärferen Auflagen

Die Bauern lehnen schärfere gesetzliche Auflagen ab. Sie setzen dagegen auf freiwillige Initiativen, wie beispielsweise bei der Initiative Tierwohl. Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) mahnte dagegen, die Bauern könnten nicht nach staatlichen Eingriffen rufen - etwa bei niedrigen Milchpreisen -, andererseits aber gesetzliche Regelungen im Bereich Tierschutz ablehnen. In Deutschland gibt es rund 285 000 Agrarbetriebe, an denen nach Angaben des Bauernverbandes direkt oder indirekt etwa 4,6 Millionen Arbeitsplätze hängen.

Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) sprach sich in Erfurt dafür aus, die Exportbemühungen für Agrarprodukte auszubauen. Deutschland sei weltweit die Nummer 3 bei Agrarexporten, und diese "Erfolgsgeschichte" müsse fortgeschrieben werden. Er habe die Hoffnung, dass die Branche dereinst auch wieder nach Russland liefern werde. Als Reaktion auf Sanktionen des Westens wegen der Ukraine-Krise hat Russland einen Importstopp für EU-Lebensmittel verhängt, der auf die Preise drückt. Auch beim Flächenverbrauch durch den Straßen- und Siedlungsbau stellte sich Schmidt an die Seite der Bauern. Dieser müsse reduziert werden, sagte er. Es sei nicht hinzunehmen, dass täglich rund 70 Hektar wertvolles Ackerland verloren gingen.
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