Landwirtschaft
Bauer als Spielball der Märkte

Derzeit tragen fast ausschließlich unsere Landwirte die Folgen schwankender und niedriger Agrarpreise.
 
Für Landwirte genügt längst nicht mehr nur der Blick in den Stall, um ihre Absatzchancen auszurechnen. Längst sind sie von den internationalen Märkten abhängig, um über die Runden zu kommen. Archivbild: Hartl

Die Landwirte bekommen gerade die Nachteile der internationalen Märkte zu spüren. Dazu gehört, dass sie ihre Einnahmen nur schwer selbst steuern können. Auch die Handelsriesen mischen dabei mit.

Berlin. Für ihre Kalkulationen genügt den Bauern längst nicht mehr der fachmännische Blick auf die Felder und in den Stall. Wie viel sie mit Getreide, Milch oder Fleisch verdienen können, richtet sich maßgeblich nach den internationalen Rohstoffmärkten. Und die globalen Kursschwankungen schlagen gerade heftig ins Kontor: Nach Jahren mit ordentlichen Gewinnen sind die Preise, die die Landwirte erzielen können, großflächig abgestürzt. Da ärgert es viele Bauern, dass Lebensmittel in den Supermärkten gerade trotzdem teurer werden.

"Derzeit tragen fast ausschließlich unsere Landwirte die Folgen schwankender und niedriger Agrarpreise", schimpfte Bauernpräsident Joachim Rukwied am Dienstag in Berlin. Und machte keinen Hehl daraus, an wen er diese Kritik adressiert: Ernährungsindustrie und Handel könnten gerade zu Niedrigpreisen bei den Agrarproduzenten einkaufen. Zugleich habe sich aber der Abstand zwischen diesen Erzeugerpreisen und vielen Endpreisen im Laden deutlich vergrößert - zum Beispiel bei frischem Schweinefleisch, Milchprodukten oder Semmeln.

Marktmacht missbraucht


Was dahinter stecke, liege auf der Hand, moniert der Bauernverband: Da seien Margen in Vermarktung und Handel ausgeweitet worden, so dass weniger bei den Landwirten ankommt. Begünstigt werde dies durch die Marktmacht der wenigen Handelsriesen in Deutschland. Diese "generelle Schieflage" in der Wertschöpfungskette müsse korrigiert werden.

Auch Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) hat erst kürzlich an die gesamte Branche appelliert, sich gegen Risiken der schwankenden Märkte zu wappnen und ruinöse Preiskämpfe mit Nahrungsmitteln zu beenden. "Hier tragen der Lebensmitteleinzelhandel, aber auch wir Verbraucher eine besondere Verantwortung."

Tatsächlich sind die Zeiten von Nahrungsmitteln als Inflationsbremse schon seit einiger Zeit vorbei. Im November zog die Teuerungsrate laut Statistischem Bundesamt wohl insgesamt leicht auf 0,4 Prozent an - Lebensmittel waren aber 2,3 Prozent teurer als ein Jahr zuvor. Dabei verweisen Weiterverarbeiter und Einzelhandel regelmäßig auch darauf, dass sie ja nicht die Kosten für Rohstoffe einkalkulieren müssen, sondern etwa für Energie und Personal.

Die Bauern spüren nun auch, dass nicht sie es sind, die an anderen wichtigen Preisschrauben drehen können. Ursachen des wahrscheinlich bis ins neue Jahr andauernden Preistiefs liegen etwa in der schwächelnden Konjunktur, vor allem in Schwellenländern in Asien. Berufskollegen der Milchbauern in den USA und Neuseeland haben ihre Produktionsmengen ausgeweitet, was die Preise verwässert.

Und dann ist da immer noch der russische Agrar-Importstopp als Antwort auf EU-Sanktionen wegen der Ukraine-Krise. Nicht nur Obst, das sonst nach Russland verkauft würde, kommt daher zusätzlich auf den hiesigen Markt.

Export-Fokus bleibt


An der grundsätzlichen Ausrichtung auf Ausfuhren in wachsende Märkte will der Bauernverband trotzdem nicht rütteln. Die Grünen kritisieren dagegen, so seien grundlegende Probleme der Agrarbranche nicht zu lösen. "Der Export-Fokus treibt unsere Landwirtschaft in eine ruinöse Sackgasse", warnt Fraktionschef Anton Hofreiter. Dies befeuere nicht nur das Höfesterben, sondern schade auch Tieren, Böden und Natur.
Derzeit tragen fast ausschließlich unsere Landwirte die Folgen schwankender und niedriger Agrarpreise.Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbands
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