Lebensversicherungen
Der Garantiezins für Neuverträge soll weiter sinken

Seit Jahren gilt der Garantiezins als Verkaufsargument für eine Lebensversicherung. Doch schon lange sinkt für Neuverträge die Obergrenze für die Langfrist-Versprechen. Bald kann man ihn mit der Lupe suchen. Bild: dpa

Üppige Zinsversprechen in der privaten Altersvorsorge bringen Lebensversicherungen in die Bredouille. Der Garantiezins für Neuverträge soll daher weiter runter. Doch ob das hilft, ist umstritten.

Berlin/Frankfurt. Seit Jahren nagen die Niedrigzinsen an der Rendite der klassischen Lebensversicherung. Im kommenden Jahr soll die garantierte Verzinsung für Neuverträge des Altersvorsorgeklassikers auf das Rekordtief von unter 1 Prozent sinken. Der Garantiezins soll nach dem Willen des Bundesfinanzministeriums zum 1. Januar 2017 auf 0,9 Prozent herabgesetzt werden - von aktuell 1,25 Prozent, bestätigte eine Ministeriums-Sprecherin Informationen der Deutschen Presse-Agentur. Das wirft einige Fragen auf - wir geben dazu die Antworten:

Warum ist der Garantiezins überhaupt wichtig?

Mit dem Garantiezins - auch Höchstrechnungszins genannt - können Kunden sicher rechnen. Einst lag die garantierte Rendite, die das Finanzministerium auf Empfehlung von Versicherungsmathematikern und der Finanzaufsicht Bafin festlegt, bei 4 Prozent. Versicherte mit Altverträgen stehen also vergleichsweise gut da, für sie ändert sich nichts. Daneben gibt es allerdings weitere Bestandteile wie die Überschussbeteiligung, die die Versicherer jedes Jahr neu festlegen. Auch diese zeigt nach unten. Nach Berechnungen der Ratingagentur Assekurata sinkt die laufende Verzinsung aus Garantiezins und Überschussbeteiligung in der privaten Rentenversicherung in diesem Jahr von durchschnittlich 3,16 auf 2,86 Prozent. Die laufende Verzinsung bezieht sich nur auf den Sparanteil der Beiträge - nach Abzug der Abschluss- und Verwaltungskosten.

Wieso belasten die Niedrigzinsen die Versicherer?

Das Geld der Versicherer steckt vor allem in als sicher geltenden Anleihen mit guter Bewertung. Jährlich laufen hochverzinste Anleihen aus. Neue Papiere werfen jedoch kaum etwas mehr ab, seitdem die Europäische Zentralbank (EZB) im Kampf gegen Mini-Inflation und Konjunkturschwäche die Zinsen faktisch abgeschafft hat und die Märkte mit Geld flutet. Den Unternehmen fällt es daher zunehmend schwer, die Versprechen der Vergangenheit von bis zu 4 Prozent zu erwirtschaften. Damit sich die Assekuranzen nicht mit hohen Zusagen übernehmen, senkte das Finanzministerium den Höchstrechnungszins bereits mehrfach.

Werden die Unternehmen dadurch entlastet?

Axel Kleinlein vom Bund der Versicherten hält die geplante Senkung des Höchstrechnungszinses für falsch: "Das schwächt die Garantien, ohne die Unternehmen nachhaltig zu entlasten." Die Einsparungen würden aufgefressen durch die notwendigen Umstellungen der Software auf den neuen Zins. "Das deutlich größere Problem für die Unternehmen ist die Zinszusatzreserve." Um die hohen Garantien für Altkunden in Zeiten der Niedrigzinsen abzusichern, müssen die Unternehmen einen Finanzpuffer aufbauen. Nach Berechnungen von Assekurata mussten sie seit 2011 mehr als 30 Milliarden Euro an Rückstellungen bilden. Weitere 12 Milliarden dürften in diesem Jahr hinzukommen.

Wie reagiert die Branche, und was heißt das für Verbraucher?

Immer mehr Versicherer bieten als Ausweg aus der Zinsfalle auch Produkte ohne Garantiezins an. Manche Assekuranz hat sich inzwischen ganz davon verabschiedet. Verbraucherschützer kritisieren unter anderem, dass die neuen Produkte nicht mehr miteinander vergleichbar seien. "Der Höchstrechnungszins war eine Art Leitplanke und brachte eine gewisse Sicherheit", sagt Kleinlein. Dennoch: Neun von zehn Kunden favorisierten beim Abschluss neuer Verträge mittlerweile Produkte ohne Garantiezins, berichtet der Versichersicherungsriese Allianz.
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