Lebkuchen und Spekulatius zur Sommerzeit
Ja, ist denn heut' schon Weihnachten?

Noch kann man in kurzen Hosen einkaufen, weil es warm ist. Trotzdem stehen längst Süßigkeiten in den Läden, die eigentlich zur Vorweihnachtszeit gehören: Lebkuchen, Spekulatius und Co. Bei vielen Verbrauchern löst das Kopfschütteln aus, andere freuen sich. Bild: dpa

Lebkuchen und Spekulatius türmen sich schon jetzt in den Supermärkten. Mit Weihnachten habe das nichts mehr zu tun, schimpft die Kirche. Aber kommt das Gebäck wirklich immer früher in die Regale?

Hannover. Der Handel hat Zimtsterne, Dominosteine und Lebkuchen unterdessen schon seit einiger Zeit schlicht in Herbstgebäck umgetauft - und ist sich sicher: Die Leute greifen zu. Fristen, ab wann welche Süßwaren verkauft werden dürfen, gibt es nicht. Das bestimmt ganz allein der Handel.

"Die durchgängige Kommerzialisierung der christlichen Feste ist uns nicht recht", meint der Vizepräsident der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Thies Gundlach. Sowohl der Zeitpunkt des Verkaufs als auch die Bezeichnung "Herbstgebäck" sind ihm ein Dorn im Auge.

Die Herkunft werde damit bewusst unsichtbar gemacht. Der Advent, für den das Gebäck wie Spekulatius eigentlich gebacken wurde, sei eine Bußzeit - eine Zeit der Bescheidenheit. Früher hätten die Menschen sogar gefastet und sich daher mit dem etwas trockeneren Gebäck begnügt. All das, um sich auf Weihnachten vorzubereiten. Ohne dieses Bewusstsein gehe der Sinn der Leckereien verloren. "Dann können Sie auch ganz normalen Kuchen essen", sagt Gundlach.

Frühes Herbstgebäck


"Von Weihnachten haben wir das Gebäck schon lange gelöst, indem wir es mit dem Herbst verbunden haben", sagt der Inhaber des Printen-, Stollen- und Lebkuchenherstellers Lambertz, Hermann Bühlbecker. Die Diskussion, wann das Herbstgebäck in die Läden darf, ist für ihn belanglos. In Russland oder in Ländern Südamerikas verkaufe er Printen und Lebkuchen sogar das ganze Jahr über. Das ist in Deutschland nur in Städten wie Aachen, Nürnberg und Dresden der Fall.

Ob Herbst- oder Adventsgebäck: Die Verbraucher futtern auf alle Fälle tüchtig. Insbesondere zu Saisonbeginn beobachtet der Sprecher der Handelskette Real, Markus Jablonski, eine sehr große Nachfrage: "Die Leute haben wirklich darauf gewartet." "Das Herbstgebäck lebt davon, dass es lange Zeit nicht am Markt ist. Die ersten schmecken eben am besten", meint Lambertz-Inhaber Hermann Bühlbecker. Zumindest sei das die Wahrnehmung vieler Kunden. Die Vorfreude spiele dabei die entscheidende Rolle.

Weihnachtsmänner folgen


"Dass das Gebäck immer früher verkauft wird, ist aber eine Mär", sagt der Sprecher des Handelsverbands Deutschland, Stefan Hertel. Seit mehr als zehn Jahren komme das Herbstgebäck Anfang September in die Regale. Ab Mitte Oktober, wenn es kühler ist, erhalten auch die Weihnachtsmänner aus Schokolade Einzug in die Läden.

Ein bisschen unpassend finden die Printenbäcker den warmen Herbststart schon. "Wir hoffen, dass es kühler wird", sagt Bühlbecker. Um die 18 Grad wie im Vorjahr wären dem Unternehmer deutlich lieber. "Dann greifen die Leute noch mehr zu."

Von Weihnachten haben wir das Gebäck schon lange gelöst, indem wir es mit dem Herbst verbunden haben.Lambertz-Inhaber Hermann Bühlbecker
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