Lokführer: Keine Schummelei

Nach Berechnungen eines Arbeitsrechtlers könnte die Lokführergewerkschaft bei ihrer Urabstimmung zum Streik geschummelt haben. Die GDL bestreitet das - doch die Deutsche Bahn fordert Klarheit. Unterdessen geht der festgefahrene Tarifkonflikt bei der Lufthansa in die achte Streik-Runde.

Die Lokführergewerkschaft GDL hat den Vorwurf von Unstimmigkeiten bei der Urabstimmung zum laufenden Streik zurückgewiesen. "Nach der Arbeitskampfordnung und der Satzung der GDL ist die Urabstimmung rechtens und absolut wasserdicht", teilte die Gewerkschaft am Sonntag in Frankfurt mit. "Wäre dem nicht so, stünden wir schon längst vor Gericht." Laut GDL hatten sich vor dem Streik 91 Prozent der an der Abstimmung teilnehmenden Mitglieder für einen Arbeitskampf bei der Deutschen Bahn ausgesprochen.

Die "Bild am Sonntag" berichtete, es bestünden jedoch Zweifel, ob bei der Urabstimmung wirklich die erforderliche Mehrheit der stimmberechtigten GDL-Mitglieder zustande kam. Anstatt der notwendigen 75 Prozent Zustimmung hätten mutmaßlich nur knapp 74 Prozent für den Streik votiert. Dies hätten Berechnungen des Arbeitsrechtlers Manfred Löwisch ergeben.

"Zu den 91 Prozent kann man nur gelangen, wenn man nicht die Zahl der stimmberechtigten, sondern die geringere Zahl der tatsächlich abstimmenden Mitglieder zugrunde legt", sagte der Jurist der Zeitung. Eine Bahn-Sprecherin forderte Klarheit von der Gewerkschaft: "Schon im ureigenen Interesse und dem ihrer Mitglieder muss die GDL das möglichst schnell und lückenlos aufklären" - auch, um zu wissen, was von den Streiks zu halten sei.

Nach den Lokführern legen nun wieder Piloten der Lufthansa die Arbeit nieder. Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) kündigte am Sonntag einen 35-stündigen Pilotenstreik bei Europas größter Airline an. Er soll von Montag, 13 Uhr, bis Dienstagabend um kurz vor Mitternacht dauern. Betroffen seien Kurz- und Mittelstreckenflüge aus Deutschland, teilte Gewerkschaftssprecher Markus Wahl mit.

Der Konzern warf der VC vor, "eine Stillstands-Nation aus Deutschland zu machen". Es ist der achte Pilotenstreik bei der Lufthansa binnen eines knappen halben Jahres. In sieben Bundesländern ist am Montag der erste Tag der Herbstferien, in zwei weiteren dauern sie an.

"Es ist traurig, dass wir nun zum achten Mal streiken müssen", sagte VC-Sprecher Wahl. Bestreikt würden Maschinen vom Typ Airbus A320-Familie, Boeing 737 und Embraer. Die Airline prüft, welche Flüge trotz des Streiks starten können. Langstreckenflüge sind nach Lufthansa-Angaben nicht betroffen, genauso wie Verbindungen von Konzern-Gesellschaften wie Germanwings, Swiss oder Austrian Airlines. Fluggäste werden gebeten, sich auf der Internetseite des Unternehmens zu informieren.

In dem Tarifkonflikt geht es um die sogenannte Übergangsversorgung. Die Lufthansa will, dass ihre Piloten später als bisher in den bezahlten Vorruhestand gehen - die Gewerkschaft wehrt sich dagegen.
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