Marienbader Gespräche: Großes Bildungspotenzial bei Migranten - 13 500 tschechische ...
"Den Nachbarn in Flüchtlingsfrage nicht allein lassen"

Im abschließenden Plenum wurden den 200 internationalen Gästen die Ergebnisse der Arbeitskreise präsentiert. Bild: hfz
Marienbad. (nt/az) Zum achten Mal trafen sich Vertreter aus Unternehmen, Behörden und Institutionen im tschechischen Marienbad. Auch Experten aus der Slowakei, Ungarn und Slowenien waren erstmals dabei. Ziel war es, den grenzübergreifenden Wirtschafts- und Lebensraum zwischen den Metropolregionen München, Nürnberg, Prag und Wien weiterzuentwickeln. "Schließlich leben wir in einer wunderbaren und beneidenswerten Region in der Mitte Europas", betonte der Präsident der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz, Dr. Georg Haber.

Wie kann der Grenzraum im Kampf gegen den Fachkräftemangel zusammenarbeiten? Wie können Hemmnisse für grenzüberschreitende wirtschaftliche Aktivitäten abgebaut werden? Kann die Flüchtlingsfrage als Herausforderung und Chance gesehen werden? Spezielle Impulse erhielt der Meinungsaustausch durch den Beginn einer neuen EU-Förderperiode und durch die vielfältigen Aktivitäten, die im Bereich der EU-Donauraum-Strategie anlaufen. "Es kommen nach wie vor mehr tschechische Arbeitnehmer nach Bayern, als umgekehrt", sagte Joachim Ossmann, Leiter der Arbeitsagentur Schwandorf. So arbeiten aktuell 13 500 tschechische Beschäftigte in Ostbayern. Das liege nicht zuletzt am deutschen Mindestlohn und dem somit besseren Lohnniveau.

Deutlich wurde in den Arbeitskreisen, dass die grenzübergreifende Zusammenarbeit in vielen Punkten verbessert werden kann. So gibt es die Überlegung, das duale Ausbildungssystem in Tschechien einzuführen. "Dadurch könnte die gegenseitige Anerkennung von Berufsabschlüssen deutlich vereinfacht werden", betonte Rechenmacher. Übereinstimmend stellten die Teilnehmer fest, dass beim Lernen der jeweils anderen Sprache noch viel Luft nach oben sei. Konsens herrschte darüber, die große Zahl der Flüchtlinge als Chance zu begreifen. "81 Prozent sind jünger als 35 Jahre und viele davon sind Kriegsflüchtlinge mit Bleibeperspektive. Das ergibt ein sehr großes Bildungspotenzial", betonte Joachim Ossmann. Toni Hinterdobler, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer, appellierte: "Europa muss jetzt zusammen helfen. Diese große Aufgabe der Integration müssen wir gemeinsam vollziehen."

Der Vorsitzende des Aufsichtsrats der Regionalen Wirtschaftskammer der Region Pilsen, Zdenek Mužík, befürchtete in der Flüchtlingsfrage zwar Probleme auf sozialer und gesellschaftlicher Ebene, betonte aber gleichzeitig: "Wir lassen euch Nachbarn damit nicht alleine. Auch wir wollen beweisen, dass wir ein integrierender Teil Europas sind."
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