Massiver Gewinneinbruch für Landwirte
Bayerns Bauern fehlt jeder vierte Euro

(Foto: Petra Hartl)


Billige Lebensmittel, Russland-Embargo, eine überraschend gute Ernte: Nach stabilen Jahren sind die Gewinne der Landwirte massiv gesunken - im bundesweiten Schnitt sogar noch drastischer als im Freistaat Bayern.

München. Die Einkommen der bayerischen Bauern sind nach Angaben des Bauernverbandes seit dem Sommer 2014 um fast ein Viertel eingebrochen. "Gegenüber dem letzten Wirtschaftsjahr fehlt den bayerischen Bauern jeder vierte Euro", sagte der bayerische Bauernpräsident Walter Heidl am Dienstag. Die Lage sei zum Teil existenzbedrohend.

Laut Situationsbericht des Deutschen Bauernverbandes (DBV) verdienten die bayerischen Familienbetriebe zwischen Juli 2014 bis Juni 2015 durchschnittlich 22,5 Prozent weniger als im Vorjahr. In Bayern lag der monatliche Durchschnittsverdienst einer selbstständigen Familienarbeitskraft demnach im Schnitt bei 2342 Euro brutto.

Im Bundesschnitt sind die Gewinne der deutschen Bauern noch massiver eingebrochen. Im vergangenen Wirtschaftsjahr 2014/15 sackte das Unternehmensergebnis im Schnitt um 35 Prozent auf 43 300 Euro ab. "Die Situation ist schwierig", sagte Bauernpräsident Joachim Rukwied.

Vom Gewinneinbruch sind fast alle landwirtschaftlichen Bereiche erfasst. So verbuchten die Ackerbauern ein Minus von 22 Prozent auf 60 300 Euro, bei Milchviehbetrieben von 44 Prozent auf 38 800 Euro. Schweine- und Geflügelhalter (Veredlung) büßten 33 Prozent auf 45 000 Euro ein, wobei Sauenhalter und Ferkelerzeuger den stärksten Rückgang hatten. Rindermäster verbuchten ein Minus von 35 Prozent auf 32 200 Euro.

Der russische Einfuhrstopp für Agrarprodukte als Reaktion auf EU-Sanktionen wegen der Ukraine-Krise schlug besonders hart auf die Obstbauern durch, deren Gewinne sich halbierten. Gegen den Trend die Erträge steigern konnten die Weinbauern. Sie erzielten ein Plus von vier Prozent auf 62 200 Euro. Bei Ökobauern stieg der Gewinn um elf Prozent auf 73 800 Euro, auch dank stabiler Preise.

Für die Berechnungen wurden die Buchführungsergebnisse von knapp 14 000 Betrieben ausgewertet. Sie beziehen sich auf das Wirtschaftsjahr 2014/15, das von Juli 2014 bis Ende Juni 2015 lief. In Deutschland gibt es derzeit noch rund 286 000 Bauernhöfe. (Kommentar und Seite 19)
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