Matthias Platzeck vermittelt im Streit zwischen Lufthansa und Ufo
Super-Schlichter

Matthias Platzeck. Bild: dpa

Matthias Platzeck hat in seiner Politkarriere viele Höhen und Tiefen erlebt. Als Schlichter agiert der Brandenburger aber ausnahmslos erfolgreich. Nach der Bahn hat er nun auch die Lufthansa befriedet.

Berlin/Frankfurt. Seine Expertise zu Flughäfen mag umstritten sein, doch bei der Lufthansa hat Matthias Platzeck (62) als Schlichter eine Punktlandung hingelegt. Der frühere SPD-Chef und Ministerpräsident von Brandenburg hat es nach einem halben Jahr harter Arbeit geschafft, den extrem kleinteiligen Tarifstreit zwischen Unternehmen und der Kabinengewerkschaft Ufo beizulegen.

Beide Seiten überschütteten am Dienstag ihren Vermittler mit Lob: "Platzeck ist der Kunstgriff gelungen, unsere unterschiedlichen Interessen auf bestmögliche Art zu verheiraten: Lufthansa bekommt wirtschaftliche und politische Sicherheit, ohne dem einzelnen Mitarbeiter an irgendeiner Stelle etwas wegzunehmen", betonte Ufo-Verhandlungsführer Nicoley Baublies. Lufthansa-Chef Carsten Spohr hatte schon am Vortag den Kompromiss gelobt, dem beide Seiten die Schulnote "befriedigend" geben könnten. "Platzeck wusste, dass er sehr genau die Mitte ansteuern musste, und hat es klug getan."

"Deichgraf" mausert sich


Der frühere "Deichgraf" der Oderflut 1997 und glücklose Ex-Chefaufseher des Berlin-Brandenburger Flughafens ist damit zum Superschlichter aufgestiegen. Platzeck gefällt die Rolle sichtlich: "Wenn man so was macht, muss man Freude an ein bisschen Spannung haben, und Freude am Problem, und wenn man das hat, ist das auch 'ne schöne Sache, dabei zu sein." 2015 hatte er bereits mit dem Linken-Politiker Bodo Ramelow den ebenso tiefsitzenden Zwist zwischen der Bahn und ihrer Lokführergewerkschaft GDL beendet. Es sei sehr typisch für Platzeck, die jeweiligen Interessenlagen der Tarifpartner sehr genau herauszuarbeiten, sagt Ufo-Gewerkschafter Baublies.

"Er hört sehr gut zu und erklärt dann der Gegenseite die Interessenlage, ohne sie sich zu eigen zu machen." Platzeck sei in der Lufthansa-Schlichtung nie als Ober-Experte aufgetreten, habe sich zurückgenommen und zunächst für klare Strukturen und Disziplin gesorgt. Die Lösungen für die vielen Probleme hätten Lufthansa und Ufo dann unter Platzecks Druck letztlich selbst erarbeitet.

Die Fronten im Lufthansa-Konflikt waren zu Beginn der Platzeck- Schlichtung im Januar extrem verhärtet. Schließlich hatte die einstmals als zahnlos geltende Ufo im November 2015 den härtesten Einzelstreik in der Geschichte der Lufthansa organisiert. Rund 4700 Flüge fielen aus - ein Millionen-Schaden.

Heftige Spannungen


Beim Lokführerstreik 2015 hatte GDL-Chef Claus Weselsky und sein Bahn-Gegenüber Ulrich Weber etliche Verhandlungs- und Streikrunden hinter sich, als die Schlichter eingriffen. "Wenn sie über den Tisch eine Glühbirne zwischen die Verhandlungspartner gehängt hätten, die hätte geleuchtet", so Platzeck.

Im Kern ging es darum, dass die GDL eigene Tarifverträge für das gesamte Zugpersonal verlangte und letztlich auch erhielt. Doch auch die Bahn erreichte ihr Ziel, dass die neuen Verträge inhaltsgleich zu denen mit der Konkurrenzgewerkschaft EVG gestaltet wurden. Nur so konnte sie einen gewerkschaftlichen Überbietungskampf um Bedingungen und Gehälter verhindern. Das nächste Mandat für Platzeck könnte wieder bei der Lufthansa warten, die mit ihren Piloten über den Konzerntarifvertrag streitet.

Die wichtigsten Ergebnisse der VerhandlungenEntgelt : Im dreieinhalb Jahre langen Tarifzeitraum von Januar 2016 bis Juni 2019 steigen die Gehälter in drei Stufen um knapp 5,5 Prozent. Neben der ersten Stufe hat es bereits eine Einmalzahlung von 3000 Euro für das erfolgreiche Geschäftsjahr 2015 gegeben. Gewinnabhängige Lohnkomponenten werden erhöht.

Betriebsrenten: Das System wird mit den Übergangsrenten (ab 55 möglich) zusammengeführt. Das Zinsrisiko geht auf die Mitarbeiter über, weil Lufthansa feste Beiträge zahlt, statt die Höhe der Renten zu garantieren. Lufthansa legt 5,2 Prozent für die Alterssicherung drauf.

Künftige Konflikte: Auf Drängen Platzecks haben sich die Partner Spielregeln für den Umgang miteinander gegeben. Wichtigster Punkt ist neben regelmäßigen Treffen die verbindliche Schlichtung vor unbefristeten Streiks.

Beschäftigungsgarantie: Die Kabinenmitarbeiter haben eine Beschäftigungsgarantie bis 2021. Außerdem werden Flugzeuge bis 2023 nicht mit Fremdpersonal besetzt.

Berufsbild: Aus dem viermonatigen Anlernjob Flugbegleiter soll ein Ausbildungsberuf auf Bachelor-Niveau werden. Die höheren Entgeltstufen für Flugbegleiter kann künftig nur jemand mit 18-monatiger Ausbildung erreichen. (dpa)
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