Mehr als ein Gewitter

Volkswagen bekommt die Folgen des Abgas-Skandals in den USA nun erstmals auch beim Absatz zu spüren: Trotz Rabattoffensive brechen die Verkäufe ein. Und im Stammsitz Wolfsburg wachsen die Job-Sorgen.

VW bekommt in den USA eine erste Quittung für die Abgas-Betrügereien: Der Skandal um manipulierte Emissionswerte hat erstmals auf die Verkaufszahlen durchgeschlagen - und zwar mit voller Wucht. Im November brach der Absatz der Pkw-Kernmarke VW auf dem US-Markt im Jahresvergleich um 24,7 Prozent auf 23 882 Autos ein, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte. Die Verkäufe spiegelten den Verkaufsstopp der Autos mit 2,0- und 3,0-Liter-Dieselmotoren wider, erklärte VW. Durch Manipulationsvorwürfe der dortigen Umweltbehörden war der Abgas-Skandal von den USA aus ins Rollen gebracht worden.

Zusätzlichen Gegenwind für VW gab es von der Ratingagentur S&P. Die Finanzexperten stuften die Kreditwürdigkeit des Unternehmens erneut herab. Die Geschäftsaussichten für VW hätten sich eingetrübt, das Image der Marke sei schlechter geworden. Statt "A-" vergibt S&P nur noch ein "BBB+" an die Wolfsburger. Alle drei großen Ratingagenturen Moody's, Fitch und S&P hatten VW seit dem Abgas-Skandal bereits einmal abgestuft. Damit könnte es für den VW-Konzern künftig teurer werden, sich frisches Geld zu besorgen.

Sorgen bei Leiharbeitern

Im Wolfsburger Stammwerk kamen am Mittwoch zum zweiten Mal seit dem Aufkommen der Affäre die Mitarbeiter zu einer Betriebsversammlung zusammen. Vor allem bei den Leiharbeitern geht die Angst um, dass auslaufende Verträge nicht verlängert werden. Auch die Ankündigung, dass die rund 120 000 festen Beschäftigten im VW-Haustarif auf die üblichen Bonuszahlungen verzichten müssen, belastet die Stimmung - ebenso wie der Beschluss verlängerter Weihnachtsferien mit längeren Produktionspausen.

Mutmacher-Reden

Betriebsrat und Eigentümer appellierten an die Belegschaft, nicht den Mut zu verlieren. VW-Aufsichtsrat Wolfgang Porsche sagte bei der nichtöffentlichen Veranstaltung laut Redetext: "Niemand darf glauben, dass der Abgas-Skandal wie ein Gewitter vorbeizieht und danach wie aus heiterem Himmel wieder schönes Wetter kommt." Zu der Versammlung kamen nach Betriebsratsangaben bis zu 20 000 Mitarbeiter.

VW will sich nach Angaben aus Konzernkreisen noch diese Woche Milliardenkredite von mehreren Banken besorgen und damit seine Finanzkraft demonstrieren. Das Unternehmen plant voraussichtlich die Unterzeichnung einer "Brückenfinanzierung" über mehrere Milliarden Euro, wie die dpa erfuhr. Das könnte Anleger beruhigen, die wegen drohender Strafzahlungen und Schadenersatz-Forderungen gegen VW um das finanzielle Polster des Autobauers fürchten.
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