Mehr im Geldbeutel

Im Gastgewerbe sind die Tarifgehälter im ersten Quartel 2015 um 3,4 Prozent gestiegen. Laut Statistischem Bundesamt wirkt sich hier vor allem in den unteren Verdienstgruppen die Einführung des Mindestlohns von 8,50 Euro aus. Archivbild: dpa

Die Tarifgehälter sind im ersten Quartal 2015 stärker gestiegen als die Verbraucherpreise. Die Aussichten sind gut, dass auch von den aktuellen Lohnabschlüssen mehr bleibt.

Viele Beschäftigte in Deutschland können sich über ein Plus beim Gehalt freuen. Im ersten Quartal stiegen die Tarifgehälter durchschnittlich im Vergleich zum Vorjahr um 2,7 Prozent. Zwar gibt es noch keine Daten, wie sich die Löhne und Gehälter abzüglich Steuern und Sozialabgaben entwickelt haben. "Aber man wird davon ausgehen können, dass bei den verfügbaren Einkommen ein reales Plus bleibt", sagt Reinhard Bispinck, Leiter des WSI-Tarifarchivs der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung.

Rund drei Prozent

Auch in den kommenden Monaten dürften Beschäftigte von Lohnabschlüssen profitieren, die über der Inflationsrate liegen. So erhalten die mehr als 3,7 Millionen Mitarbeiter in der Metall- und Elektroindustrie seit April 3,4 Prozent mehr Geld. In der chemischen Industrie gibt es 2,8 Prozent mehr und im Steinkohlebergbau 3,6 Prozent.

In knapp zwei Dritteln der größeren Branchen und Tarifbereiche, in denen in diesem Jahr verhandelt wird, gibt es inzwischen Abschlüsse, wie aus einer Übersicht des WSI-Tarifarchivs hervorgeht. Die Mehrzahl sieht demnach für 2015 Erhöhungen um drei Prozent vor. Wirtschaftsforschungsinstitute gehen davon aus, dass die Inflation in Deutschland im Laufe des Jahres leicht ansteigt, im Schnitt aber unter einem Prozent bleibt. Allerdings profitieren nicht alle Beschäftigten in Deutschland von den Abschlüssen zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern. Bispinck zufolge sind 58 Prozent der Beschäftigten tarifgebunden. Zwar orientierten sich viele Betriebe an den Vereinbarungen. "Wie stark, hängt allerdings vor allem davon ab, wie stark tarifgebunden die Branche ist."

Hinzu kommt: Die Unterschiede zwischen einzelnen Wirtschaftszweigen sind enorm. So stiegen die Tarifgehälter beispielsweise in der Luftfahrt im ersten Quartal lediglich um 0,4 Prozent. Im Gastgewerbe gab es hingegen ein Plus von 3,4 Prozent. Dabei wirkt sich nach Angaben des Statistischen Bundesamtes vor allem in den unteren Verdienstgruppen die Einführung des Mindestlohns von 8,50 Euro zu Jahresanfang aus. "Wir gehen davon aus, dass die Einführung des Mindestlohns die private Nachfrage stützt und damit auch die Konjunktur", sagt Bispinck.

Ökonomen warnen allerdings vor steigenden Arbeitskosten, die langfristig die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen auf dem Weltmarkt mindern könnten. Laut einer Studie der DZ Bank legten die Arbeitskosten in der Privatwirtschaft - Bruttoverdienste einschließlich Lohnnebenkosten wie Sozialbeiträge der Arbeitgeber - in Deutschland seit 2010 um durchschnittlich 2,1 Prozent im Jahr zu. Ähnlich sah es in Frankreich und Italien aus. Unterdurchschnittlich war hingegen die Entwicklung in Ländern, die besonders stark unter der Euro-Schuldenkrise litten wie Portugal, Spanien und Irland. "Dadurch können diese Länder wenigstens einen Teil des Rückstands in der Wettbewerbsfähigkeit wieder aufholen", heißt es in der Studie.

Verlagerung ins Ausland

Allerdings konkurrieren die deutschen Firmen auch mit amerikanischen, chinesischen und oder japanischen Unternehmen. Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Martin Wansleben, warnt: Weil die Arbeitskosten stiegen, würden wieder mehr Firmen im Ausland investieren: "Der heimische Standort verliert an Attraktivität."
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