Mensch und Tier

Zum Bericht "Kaninchenzüchter kritisieren Papst" vom 21. Januar schreibt ein Leser:

Die armen Karnickel! Jetzt werden sie auch noch vom Papst in eine tiefe Sinnkrise gestürzt. Hoffentlich bekommen die derart gescholtenen keinen Komplex und hören auf, sich zu vermehren, wenn sie derart verleumdet werden. Woher sollten dann die süßen jungen Kaninchen kommen, die, wie böse Menschen behaupten, auch mal in der Bratpfanne der Züchter landen? Zum Glück betreffen laut Darstellung des Präsidenten des Zentralverbandes Deutscher Rasse-Kaninchenzüchter "die sexuellen Ausschweifungen" nur die freilebenden Tiere.

Aber nicht nur die Kaninchen verdienen unser Mitleid, spontan fallen mir da die Gänse ein. Ich bin in tiefster Sorge um die Psyche dieser Vögel, die so oft als dumm gescholten werden. Wie verarbeiten sie die Redewendung von der dummen Gans, wenn sie manche Darstellerinnen im Deppen-TV erleben und zu denen auf das gleiche Niveau heruntergestuft werden. Also bitte etwas mehr Rücksicht auf die Seele unserer Tiere!

Wahre Tierliebe endet eben nicht am reich gefüllten Futtertrog aus dem Edel-Bio-Tierfutterladen, nein, der wahre Tierfreund kümmert sich auch um die geschundene Psyche seiner mehr oder weniger nah Verwandten. Und nicht nur das, auch der freie Zugang zu allen Einrichtungen der menschlichen Zivilisation darf ihnen nicht vorenthalten werden; könnten sie sich doch den Menschen gegenüber zurückgesetzt fühlen. In einem Speiselokal sagte ein solcher Edelmensch auf die Frage, ob er unbedingt seinen riesigen Hund mit hereinnehmen müsse, "der Hund hat das gleiche Recht wie Sie!" Solche oder ähnliche Äußerungen hört man ja immer wieder.

Andererseits könnte man aber auch von dieser Aussage das Recht herleiten, überall und jederzeit auf den Bürgersteig zu kacken und an jeden Baum und jede Hausmauer zu pinkeln. Aber das könnte natürlich wieder zu einer Belastung der armen Tiere führen, haben sie doch dann das diesbezügliche Alleinstellungsmerkmal verloren. Ich meine mit meinen Äußerungen nicht die vernünftige Mehrheit der Tierfreunde und Hundehalter, sondern diejenigen, die nicht mehr zwischen Mensch und Tier unterscheiden können.

Alfred Kummert, Hahnbach
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