Milliardenschweres Tauschgeschäft
Pharmakonzerne Sanofi und Boehringer verhandeln über Wechsel von Sparten

Das Pharmageschäft boomt. Nun wollen die Konzerne Boehringer Ingelheim und Sanofi Sparten tauschen. Archivbild: dpa

Paris/Ingelheim. Die beiden Pharmakonzerne Sanofi und Boehringer Ingelheim verhandeln über den milliardenschweren Tausch von zwei Sparten. Die Franzosen wollen ihr Tiermedizingeschäft loswerden und dafür die rezeptfreien Mittel von Boehringer bei sich eingliedern, wie beide Unternehmen am Dienstag mitteilten. Die Deutschen müssten dann noch 4,7 Milliarden Euro drauflegen. Für beide Konzerne wären es Schritte zu einer stärkeren Spezialisierung.

Boehringer gehört zu den größten Pharmakonzernen Deutschlands und beschäftigt weltweit gut 47 000 Mitarbeiter. Abschließende Verträge sollen in den kommenden Monaten nach Gesprächen mit den Sozialpartnern unterzeichnet werden. Beide Unternehmen wollen den Tausch im vierten Quartal 2016 abschließen. Die Kartellbehörden müssen aber noch zustimmen.

Sanofi hatte bereits Anfang November eine Trennung von der Tiermedizinsparte ins Spiel gebracht. Stärker werden wolle der Konzern unter anderem bei Medikamenten gegen Multiple Sklerose und Krebs sowie bei rezeptfreien Mitteln, hieß es damals. Hier setzt der Konzern jetzt an. Zur Boehringer-Sparte Consumer Healthcare gehören Mittel wie die Kopfschmerztabletten Thomapyrin, der Hustensaft Mucosolvan und das Bauchschmerzmittel Buscopan. Das China-Geschäft der Sparte will Boehringer behalten. Den Rest bewerten beide Unternehmen mit 6,7 Milliarden Euro. Mit einem Teil der 4,7 Milliarden Euro, die Boehringer dazu noch an Sanofi zahlen müsste, wollen die Franzosen eigene Aktien zurückkaufen.

Sanofis Tiermedizinsparte ist demnach 11,4 Milliarden Euro wert. Boehringer würde Unternehmensangaben zufolge durch die Übernahme zur Nummer zwei im weltweiten Geschäft mit Tiermedizinprodukten werden und könnte sogar die Weltspitze angreifen. Zusammen würden die beiden Bereiche 2015 rechnerisch einen Umsatz von 3,8 Milliarden Euro erzielen, hieß es in der Mitteilung.

Sanofi würde nach eigenen Angaben durch den Zuwachs bei rezeptfreien Mitteln in diesem Geschäft zum Weltmarktführer werden. Der Umsatz läge im laufenden Jahr rechnerisch bei 5,1 Milliarden Euro, der Marktanteil würde nahezu 4,6 Prozent betragen, teilte Sanofi mit.
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