Millionenbetrug: Auftakt zum Prozess gegen die S&K-Firmengründer
Wenig fesselnd

Dem Angeklagten Stephan S. wurden im Gerichtssaal vor versammelter Presse die Fußfesseln abgenommen. Sein Anwalt kritisierte das als unwürdig: "Das ist doch kein Tanzbär, sondern ein Mensch!" Bild: dpa

Im Frankfurter Landgericht war alles angerichtet für den Prozess um millionenschwere Betrügereien mit Immobilien. Doch bereits der erste Befangenheitsantrag gegen die Richter hat das Strafverfahren gegen die Drahtzieher der S&K-Gruppe verzögert.

Gesprochen wurde im voll besetzten Saal zunächst nur über Formalien, bis sich das Gericht nach mehreren Unterbrechungen auf den kommenden Dienstag, 29. September, vertagte. Der Anklagesatz mit mehr als 1700 Seiten wurde noch nicht verlesen. Das Verfahren ist einer der größten Wirtschaftsprozesse in der deutschen Justizgeschichte. Angeklagt sind die beiden S&K-Firmengründer Stephan S. (36) und Jonas K. (34) sowie vier weitere Männer wegen schweren gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs und Untreue.

Der Angeklagte Stephan S. hatte vor eineinhalb Jahren einen Fluchtversuch unternommen und wurde am Donnerstag mit Fußfesseln in den Gerichtssaal geführt. Das Blitzlichtgewitter bei der Abnahme der Fußfesseln im Gerichtssaal kritisierte sein Verteidiger Ulrich Endres: "Das widerspricht der Menschenwürde! Das ist doch kein Tanzbär, sondern ein Mensch!"

Drei Jahre Prozessdauer

Man werde beweisen, dass die Angeklagten weder Betrug noch Untreue begangen hätten, sagte der Rechtsanwalt nach dem ersten Verhandlungstag. Die Anklage werde seiner Einschätzung nach in sechs bis acht Wochen verlesen sein. "Wir alle gehen davon aus, dass das Verfahren drei Jahre dauert."

Die Angeklagten sollen mehrere tausend Anleger mit einem verschachtelten Firmen- und Beteiligungssystem um ihr Erspartes gebracht haben. Den Gesamtschaden beziffern die Ermittler auf mehr als 240 Millionen Euro. Den Angeklagten drohen bis zu 15 Jahre Haft.

Für Schlagzeilen sorgten Berichte über den protzigen Lebensstil der Männer. Dieser bot auch den Anlass für den Befangenheitsantrag. Er kam vom Anwalt einer Ex-Freundin von S., die unter anderem einen geschenkten Sportwagen und eine Nobel-Uhr wieder herausgeben soll. Das Landgericht hatte nach Ansicht des Juristen bei diesem Detail in seinem Eröffnungsbeschluss einen um rund 22 000 Euro höheren Betrag angesetzt als von der Staatsanwaltschaft festgesetzt. Dies lasse auf "unzulängliche Aktenkenntnis" schließen. Das Gericht will bis Dienstag über den Antrag entscheiden.
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