Mission ohne Profitgier

Die Finanzierungsplattform Kickstarter will anders sein als andere Internet-Firmen. "Wir versprechen weiterhin, das Unternehmen nie zu verkaufen und nie an die Börse zu gehen", sagt der Mitgründer und Chef Yancey Strickler.

"Wenn Geld für ein Unternehmen in den Mittelpunkt rückt, ist die Gefahr zu groß, dass man aus den Augen verliert, warum man das alles gestartet hat." Stattdessen wolle sich das Team auf die "Mission" konzentrieren, Menschen, die Ideen haben, mit Internet-Nutzern zusammenzubringen, die ihnen Geld geben.

Seit der Gründung von Kickstarter vor sechs Jahren kamen so rund 1,5 Milliarden Dollar für mehr als 85 000 Projekte zusammen. Beim Start der deutschen Version vor zwei Wochen wurden mehrere Projekte gleich am ersten Tag finanziert. Doch viele Geldgeber mussten mit dem Crowdfunding, dem per Internet organisierten Bitten um Geld, auch ernüchternde Erfahrungen machen. So manches Projekt wurde erst mit großer Verspätung vollendet - und einige auch gar nicht. "Wir sind transparent, was das Risiko angeht", sagt Strickler. Die Erfinder müssen über mögliche Probleme aufklären. Es ist verboten, nur mit Computer-Entwürfen Geld für Geräte einzusammeln. Kickstarter prüft, welche Projekte zugelassen werden. Und die Geldgeber selbst fungieren als zusätzlicher Filter: Weniger als 40 Prozent der vorgestellten Projekte schaffen überhaupt ihr Finanzierungsziel. Kickstarter bekommt dann seine Gebühr - egal, ob am Ende geliefert wird.

Erfolgsmodell Pebble

Der Mythos Kickstarter lebt für Erfinder und Geldgeber aber von den Erfolgsgeschichten, den Leuchtturm-Projekten. So sammelte fast drei Jahre vor der Apple Watch ein kleines Team über zehn Millionen Dollar für die Computer-Uhr Pebble ein. Es gab zwar Verzögerungen, doch inzwischen verkaufte Pebble über eine Million Geräte. Das neue Modell "Pebble Time" mit farbigem E-Paper-Display steht vor dem Marktstart, auch wenn es nun gegen eine Vielzahl von Konkurrenten antreten muss. Obwohl die Firma inzwischen auch auf klassischen Kanälen Kapital einsammelte, durfte die "Pebble Time" noch einmal bei Kickstarter antreten und ist der aktuelle Rekordhalter mit Zusagen von knapp 20,4 Millionen Dollar.

Es war so etwas wie ein Sonderfall, betont Strickler. "Sie haben mit uns angefangen. Sie haben es sich damit verdient, weiterhin auf der Plattform zu bleiben." Eigentlich habe Kickstarter aber schon viele etablierte Unternehmen abblitzen lassen. "Wir wollen kein Marketingkanal für große Firmen sein, die nur einen neuen Fernseher oder etwas ähnliches auf den Markt bringen wollen." Kein Problem hat Strickler hingegen damit, wenn Stars wie Regisseur Spike Lee oder bekannte Schauspieler wie Zach Braff ("Scrubs") für ihre Projekte bei Kickstarter sammeln und dabei auf Millionen-Summen kommen. Er glaube auch nicht, dass damit Geld oder Aufmerksamkeit von einfachen Erfindern und Künstlern abgezogen wird.

Die Frage: Gefällt es mir?

Für Strickler ist es auch kein Zufall, dass in den USA die meisten Kickstarter-Projekte aus dem Musikbereich kämen. "Die Kernfrage, die sich ein traditioneller Geldgeber stellt, ist: Wird dieses Produkt erfolgreich und profitabel sein? Bei einer Finanzierungsplattform muss sich der Unterstützer nur fragen, ob ihm etwas gefällt."

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Kickstarter im Internet:

http://www.kickstarter.com
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