Mittelstand als Motor

Die Zinsen sind niedrig, die Zuversicht steigt: Deutschlands Mittelstand investiert wieder mehr und könnte das Vorkrisenniveau in diesem Jahr knacken. Die gute Stimmung ist wichtig, denn die Mittelständler bleiben Deutschlands wichtigster Jobmotor.

Der deutsche Mittelstand glaubt nach einer Studie der Förderbank KfW zunehmend an einen robusten Aufschwung in Deutschland und Europa. Das zeige sich an den Investitionen, die 2014 mit einem Plus von 6 Prozent auf 202 Milliarden Euro stiegen und damit den höchsten Stand seit 2008 erreicht haben, sagte KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner bei der Vorlage einer repräsentativen Umfrage unter Mittelständlern am Dienstag. "Besonders erfreulich ist: Die Unternehmen investieren wieder verstärkt in Erweiterungen - ein deutliches Zeichen für die Vertrauenszunahme."

Auf Stärken setzen

Auch 2015 dürfte sich der Aufschwung bei den Investitionen der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) fortsetzen, betonte Zeuner: "Das Vorkrisenniveau von 204 Milliarden Euro aus dem Jahr 2007 kann in diesem Jahr überschritten werden." Damit reagierten die Unternehmen "zu Recht auf die Stärke der Inlandsnachfrage". Zudem wirke die extrem lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank auf die die Kreditfinanzierung stimulierend.

Ein Wermutstropfen ist allerdings, dass sich die Investitionen auf immer weniger Firmen konzentrieren. Nach den Zahlen des KfW-Mittelstands-panels, das Unternehmen bis zu 500 Millionen Euro Jahresumsatz erfasst, hatte 2014 mehr als die Hälfte der KMU gar keine Projekte in Planung, der Anteil der Mittelständler mit Investitionsprojekten sank um 1,3 Prozentpunkte auf 42 Prozent.

Ihren Umsatz steigerten die Mittelständler 2014 um 3,3 Prozent (2013: plus 1,9 Prozent), vor allem in außereuropäischen Märkten büßten sie aber Boden ein: Die Auslandserlöse fielen um zwei Prozent - obwohl die deutschen Exporte um 3,7 Prozent stiegen. "Für KMU bleibt die Internationalisierung über die europäischen Grenzen hinaus eine große Herausforderung", so Zeuner. Das Umsatzplus wirkte sich auch positiv auf die Profitabilität aus: Die durchschnittliche Umsatzrendite der mittelständischen Unternehmen erhöhte sich nochmals um 0,3 Prozentpunkte auf 7,0 Prozent, die Betriebe waren demnach so profitabel wie noch nie.

Gleichzeitig bleibt der Mittelstand Deutschlands wichtigster Jobmotor. Die Zahl der Beschäftigten in kleinen und mittelgroßen Unternehmen (KMU) stieg um rund 509 000 auf 29,1 Millionen. Diese tragen somit einen Anteil von 68,1 Prozent der Erwerbstätigkeit in Deutschland.
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