Mittelstand sorgt für Wachstum

"Nur durch den Mittelstand kam Deutschland so gut durch die Weltfinanzkrise wie kein anderes Land", sagt Ministerin Ilse Aigner. Bild: ehi

Eine Rekordkulisse von 300 Besuchern verzeichnete der Jahresempfang der Wirtschaft. Die tags zuvor verkündete Behördenverlagerung war in aller Munde. Nur nicht bei Wirtschaftsministerin Ilse Aigner. Lob gab es hingegen reichlich für den Mittelstand.

Regensburg. (cf) Da strahlten die versammelten Mittelständler. Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner schrieb ihnen die Tugenden Fleiß, Standorttreue und Herzblut ins Stammbuch. Nach überschwänglichen Worten für den Mittelstand bedachte die CSU-Politikerin beim Jahresempfang der Wirtschaft die Behördenverlagerung ihres Kabinettskollegen, Finanzminister Markus Söder, nur knapp mit dem Ausdruck "deutliches Zeichen". Ausführlicher äußerte sich Aigner zu den Stromtrassen. Da Planungssicherheit für die Betriebe wichtig sei, will sie eine endgültige Entscheidung "noch vor der Sommerpause hinkriegen".

Davor sieht sie Klärungsbedarf bei der Energie-Effizienz sowie beim Bau neuer Gaskraftwerke. Erst dann könne man sich über Stromtrassen einigen, wobei auch über Erdverkabelung gesprochen werden müsse. Aigner ließ keinen Zweifel: "Wo kommen die 60 Prozent Strom her, wenn 2022 alle Atomkraftwerke abgeschaltet werden - und kein Wind weht und keine Sonne scheint?" Die Förderung der erneuerbaren Energien habe den Betrieb konventioneller Kraftwerke unrentabel gemacht ...

Kritik an Niedrigstzinsen

Staatsministerin Aigner warnte auch vor den "Nebenwirkungen" dauerhafter Niedrigstzinsen. Statt nur die Symptome - über ein Zinstief - zu kurieren, sollten besser die "Probleme an der Wurzel gepackt" und die Wettbewerbsfähigkeit der südeuropäischen Länder gestärkt werden. "Nicht praxistauglich" nannte sie den Mindestlohn. "Hunderttausende ehrliche Arbeitgeber dürfen nicht unter Generalverdacht gestellt werden. Gerade kleinere Betriebe packen die Aufzeichnungspflicht nicht." Der Präsident der IHK Regensburg für die Oberpfalz/Kelheim, Gerhard Witzany, würdigte die mittelstandsgeprägte Wirtschaft, die mit Stabilität und Innovation Deutschland zur Wachstumslokomotive in Europa gemacht habe. Hier zähle Bayern mit 580 000 Unternehmen, drei Millionen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen und 200 000 Ausbildungsstellen zum "Mittelstandsland Nummer 1" in Deutschland. "The German Mittelstand" - mehr als eine rein ökonomische Größe - werde im Ausland hoch geschätzt.

Der IHK-Präsident betonte die "Verantwortungskultur" in den inhabergeführten Betrieben, die langfristig angelegten Entscheidungen und die "Einheit von Eigentum und Leitung": "Der gute Ruf bildet ihr Kapital". Einen wichtigen Erfolgsfaktor stelle das deutsche Ausbildungssystem dar. Witzany redete der "Stärkung der beruflichen Ausbildung" das Wort - vor dem aktuellen "Akademisierungswahn".

Stoff für Träume

In die gleiche Kerbe hieb Handwerkskammer-Präsident Dr. Georg Haber: "Der ,German Mittelstand' ist für viele europäische Wirtschaftsminister der Stoff, aus dem in Zeiten der Wirtschaftskrise ihre Träume sind." Der deutsche Mittelstand bedeute "gelebte unternehmerische Verantwortung mit dem eigenen Portemonnaie". Inhabergeführte Betriebe zeichneten sich durch ein besonders abgewogenes Risikoverhalten aus. Haber rief seine Kollegen aus dem Handwerk zu mehr Selbstbewusstsein auf, etwa die Bürgermeister mit dem Thema Breitbandausbau zu konfrontieren. "In einer vertieften Zusammenarbeit der Betriebe und der Kommunalpolitik liegt ein großes Potenzial."

Haber bat die Betriebsinhaber um Praktikums- oder Ausbildungsstellen für jugendliche unbegleitete Flüchtlinge und Asylbewerber.
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