Mittelverwendung, Spenden und Vergütungen
Damit Vereine nicht in die Steuerfalle tappen

"Unsere Finanzämter sollen den Vereinen helfen", sagte Finanzstaatssekretär Albert Füracker.
 
Die Broschüre "Steuertipps für Vereine". Bilder: Gibbs (2)

Von der Ehrenamtspauschale bis zur Spendenbescheinigung: Für Vereine und deren Vorsitzende ist das Thema Steuern manchmal ein Buch mit sieben Siegeln. Im Folgenden einige Tipps.

Regensburg. Ein Vereinsvorsitzender muss Versammlungen abhalten, den Jahresbericht erstellen, Rechnungen kontrollieren - und am Ende aufpassen, dass er keinen steuerlichen Fehler macht. Um Letzteres zu erleichtern, hat das bayerische Finanzministerium bereits im Jahr 2011 eine Veranstaltungsreihe zu Fragen der Vereinsbesteuerung ins Leben gerufen. Jüngst machten die Referenten aus dem Finanzministerium im Audimax an der Universität Regensburg Halt.

Albert Füracker, Staatssekretär im bayerischen Finanzministerium, betonte vor über 700 Vereinsvertretern, welch wichtigen Beitrag die Vereine zum gesellschaftlichen Leben und besonders zur Förderung der Jugend leisten. 3,8 Millionen Menschen seien in Bayern ehrenamtlich aktiv. "Unsere Finanzämter sollen den Vereinen helfen", sagte Füracker. Wenn es in Einzelfällen Probleme gibt, müsse das besprochen werden. Es gebe für Vereine vielfältige steuerliche Freiräume - um diese richtig zu nutzen, brauche es aber Detailkenntnisse.

Aus diesem Grund gibt das Finanzministerium seit einigen Jahren die Broschüre "Steuertipps für Vereine" (Im Internet abzurufen unter www.stmflh.bayern.de/steuern/vereine/) heraus. Die aktuelle Ausgabe basiert auf dem Stand von März 2015. Im Folgenden einige Tipps aus der Broschüre und aus dem Infoabend.

Zeitnahe Mittelverwendung


Oft stellt sich bei Vereinen das Problem, dass eingenommenes Geld nicht zeitnah, konkret innerhalb von zwei Jahren, für die Gemeinnützigkeit ausgegeben wird. "Ein Verein darf keine Spardose sein, der immer mehr Mittel anhäuft", sagte Referentin Ida Maschauer. "Was ein Verein im Laufe des Jahres 2016 einnimmt, muss er spätestens bis Ende 2018 ausgeben." Allerdings gebe es eine ganze Reihe von Möglichkeiten, Geld legal zurückzulegen.

Investitionsrücklage: Mittel können für konkrete Vorhaben zurückgelegt werden, wenn diese im steuerbegünstigten Bereich liegen und in überschaubarer Zeit - konkret in drei bis fünf Jahren - umgesetzt werden. Als Beispiel führte Maschauer eine vergleichsweise teure Flutlichtanlage an, die sich ein Sportverein anschaffen möchte und für die er über einige Jahre hinweg Geld zurücklegt. Achtung: Die Höhe der Rücklage muss realistisch sein. Maschauer empfiehlt, dem Finanzamt einen Kostenvoranschlag für das Vorhaben vorzulegen.

Eine Wiederbeschaffungsrücklage können Vereine in der Höhe der Abschreibung des zu ersetzenden Wirtschaftsguts bilden, etwa wenn ein Verein ein Fahrzeug gekauft hat und es jährlich abschreibt.

Eine Betriebsmittelrücklage für laufende Ausgaben kann bis zu einem Jahresetat gebildet werden, beispielsweise für Löhne oder Mieten.

Unabhängig von einem Projekt können Vereine eine Freie Rücklage ansparen. Das gilt für jeweils zehn Prozent der Einnahmen im ideellen Bereich, des Überschusses aus Zweckbetrieben und des Überschusses aus dem wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb sowie für ein Drittel des Überschusses aus der Vermögensverwaltung. "Grundsätzlich ist die Höhe unbegrenzt", betonte Maschauer. "Ich empfehle, den Betrag jedes Jahr auszuschöpfen."

Was passiert, wenn unzulässig viele Mittel angesammelt wurden? "Dann setzt das Finanzamt eine Frist von maximal fünf Jahren, bis wann die Mittel verwendet sein müssen", erklärte Maschauer. Falls die Mittel bis dahin noch nicht ausgegeben sind, drohe die Aberkennung der Gemeinnützigkeit und der damit verbundenen Vergünstigungen. "Das kommt in der Realität sehr selten vor." Andere Mittel unterliegen der zeitnahen Verwendungspflicht nicht, wie Erbschaften, Schenkungen, Sachzuwendungen oder Mittel, die aus einem Spendenaufruf zur Vermögensaufstockung hervorgehen.

Vergütung im Ehrenamt


Vereine beschäftigen vielfach Übungsleiter , die ihre Arbeit nebenberuflich und ehrenamtlich leisten. Erhalten sie dafür ein Entgelt, sind sie grundsätzlich steuerpflichtig. Einnahmen bis zur Höhe von 2400 Euro pro Jahr bleiben jedoch steuerfrei. Dieser Übungsleiterfreibetrag gilt für jede pädagogisch ausgerichtete Tätigkeit, erklärte Referent Harald Brandl, etwa für Sporttrainer, Chorleiter oder Betreuer.

Alle sonstigen Tätigkeiten werden immerhin noch mit einer Ehrenamtspauschale in Höhe von 720 Euro pro Jahr begünstigt. Vorsitzender, Kassier oder Platzwart können davon beispielsweise profitieren. Nicht zu zahlen ist bei ehrenamtlich Tätigen der 2015 eingeführte Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde.

Entgelte bis zur Höhe des Übungsleiterfreibetrags beziehungsweise der Ehrenamtspauschale gelten nicht als Arbeitsentgelt. Anders ist es, wenn ganzjährig ein geringfügiges Beschäftigungsverhältnis besteht, der Verein etwa ein Mitglied als 450-Euro-Kraft anstellt. Die 450 Euro werden dann pauschal - und sehr günstig - versteuert.

Spendenrecht


Gemeinnützige Vereine sind zur Finanzierung ihrer Aufgaben auf Spenden angewiesen. Die Spender machen ihre Zuwendung oft davon abhängig, ob sie eine Spendenbescheinigung erhalten, die sie steuerlich geltend machen können. Spendenbescheinigungen könnten nur dann ausgestellt werden, wenn die Spende freiwillig und ohne Gegenleistung ist und in den steuerbegünstigten Bereich des Vereins fließt, erklärte Referent Eckehard Schmidt. Spenden sind bis zu 20 Prozent des Gesamtbetrags der Einkünfte als Sonderausgaben absetzbar.

"Spenden müssen grundsätzlich ohne Gegenleistung sein" , betonte Referent Eckehard Schmidt. Je nach Ausrichtung des Vereins könne er einem Spender zwar einen gelegentlichen kostenlosen Museumsbesuch oder ein Freikonzert ermöglichen, "mehr aber nicht". Um steuerlich absetzbar zu sein, müssten Spenden für den steuerbegünstigten Bereich des Vereins bestimmt sein. Wenn eine Brauerei Bier für eine Festveranstaltung spende, falle das in den wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb, erklärte Schmidt. "Somit ist die Bier-Spende keine Grundlage für eine Spendenbescheinigung."

Ob auch Mitgliedsbeiträge begünstigt sind, hänge von dem Zweck ab, den der Verein fördert. Nicht absetzbar seien die Beiträge bei Vereinen, die Freizeitzwecken dienen, zum Beispiel bei einem Sportverein. Bei einem Förderverein hingegen könne man die Mitgliedsbeiträge geltend machen.

Vorsicht müsse der Verein bei der Ausstellung einer Spendenbescheinigung für Sachspenden walten lassen, warnte Schmidt. "Bei gebrauchter Kleidung, Hausrat oder Möbeln geht der Zeitwert oft gegen Null." Bei hochwertigen Gegenständen empfehle sich eine Rechnung oder sogar ein Gutachten als Nachweis. Eine Spendenbescheinigung müsse stets nach dem amtlichen Muster gestaltet sein.

Steuerlich anerkannt werden können auch Aufwandsspenden . Beispiel: Ein Handwerker repariert das Dach des Vereinsheims und verzichtet nachträglich auf den Rechnungsbetrag. Oder ein Übungsleiter erklärt auf der Weihnachtsfeier, dass er auf die Vergütung der vergangenen zwölf Monate verzichtet. Wichtig ist hier die zeitnahe Verzichtserklärung der Ansprüche, sagte Schmidt - bei einmaligen Ansprüchen innerhalb von drei Monaten, bei regelmäßigen Ansprüchen innerhalb von einem Jahr.

HintergrundDie Anerkennung eines Vereins als gemeinnützige, mildtätige oder kirchliche Körperschaft bringt etliche Steuervorteile mit sich. Vergünstigungen gibt es nicht nur für den Verein selbst (eingeschränkte Vereinsbesteuerung), sondern auch bei seinen Förderern (Spendenabzug) und bei seinen nebenberuflichen Mitarbeitern (Steuerbefreiung für Aufwandsentschädigungen).

Das Steuerrecht kennt vier Geschäftsbereiche eines Vereins. Die Steuerbefreiung gilt für die ideelle Tätigkeit, die Vermögensverwaltung und den Zweckbetrieb. Sie erstreckt sich aber nicht auf den wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb. Die Einkünfte hieraus unterliegen der Körperschaftssteuer. Wirtschaftliche Geschäftsbetriebe sind zum Beispiel der Verkauf von Waren, gesellige Veranstaltungen oder Flohmärkte. (gib)
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