Monster von unglaublichen Ausmaßen

Zur Dokumentationspflicht beim Mindestlohn schreibt ein Leser:

Die Dokumentationspflicht für geringfügig Beschäftigte ist so unausgegoren wie ein gestern gekelterter Heuriger und ein bürokratisches Monster von unglaublichen Ausmaßen.

Als Beispiel nenne ich mal eine Hausmeistertätigkeit: Eine Verwaltungsfirma stellt einen Hauswart in Teilzeit ein und zahlt ihm einen festen Monatslohn, um ihm ein gleichmäßiges Zusatzeinkommen zu garantieren und das Stundenschreiben zu erübrigen. Als Basis dient das vom Vorgänger ermittelte Stundenkonto von mehreren Jahren, da ja das Wetter nicht in jedem Jahr gleich ist, das heißt, mal weniger und mal mehr Rasen gemäht oder Schnee geschippt werden muss.

Mit dem neuen Gesetz zum Mindestlohn muss der Arbeitnehmer nun wieder treu und brav akribisch Stunden schreiben, die wöchentlich an den Arbeitgeber zu schicken sind. Entweder der Hauswart hintergeht das Gesetz, indem er schön gleichmäßig Stunden schreibt, egal ob er Schnee geschippt oder Rasen gemäht hat, oder er zeichnet sie so auf, wie er sie geleistet hat. Um in dem Fall seinen Festlohn weiter zu bekommen, muss nun der Arbeitgeber ein Arbeitszeitkonto einrichten, was oft aus Zeitgründen nicht möglich ist. Also muss er eine entsprechende Firma damit beauftragen. Und das kostet Geld!

Die Lösung ist denkbar einfach: Man lässt den Arbeitnehmer eine Erklärung unterschreiben, dass er den Mindestlohn von 8,50 Euro bekommt. Und basta! Denn wenn der Arbeitgeber sagt, dass er den gesetzlichen Lohn nicht bezahlen kann und der Arbeiter entsprechend weniger Stunden schreiben muss, um auf den Mindestlohn zu kommen und um seinen Arbeitsplatz zu behalten, dann wird der dies wohl auch machen. Oder gehen, falls er sich das leisten kann.

Bernd Wagner,92703 Krummennaab
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