Nach Aufhebung der Sanktionen gegen den Irak
Ölpreise bleiben unter Druck

Der Iran hat angekündigt, nach dem Ende der westlichen Sanktionen seine Ölexporte rasch wieder auszubauen. Zwar glaubt auch Präsident Hassan Ruhani nicht an einen kurzfristigen Boom. Doch klar ist: Die Weltpreise geraten noch stärker unter Druck.

Frankfurt. Iran darf nach der Aufhebung von Handelsbeschränkungen, die wegen seines Atomprogramms auferlegt wurden, wieder mehr Rohöl ausführen. Was für die sanktionsgeplagte Wirtschaft Irans eine gute Botschaft ist, könnte die Lage am Rohölmarkt noch weiter zuspitzen. Dort befinden sich die Preise im Sturzflug. Hauptgrund ist ausgerechnet ein viel zu hohes Angebot an Erdöl - das jetzt noch weiter steigen dürfte. Einige Fragen und Antworten zu Ölschwemme und Preissturz:

Welche Rolle spielt Iran am Ölmarkt?

Bevor der Streit über das iranische Atomprogramm eskalierte, war Iran ein sehr wichtiger Ölförderer. Im Ölkartell Opec (Organisation Erdöl exportierender Länder) war das Land nach Saudi-Arabien, dem mit Abstand mächtigsten Mitgliedsland, lange Zeit der größte Produzent. Infolge der Handelssanktionen fiel das Land in der Bedeutung aber zurück. Zuletzt lag die Tagesproduktion bei weniger als drei Millionen Barrel (je 159 Liter), verglichen mit mehr als zehn Millionen Fass pro Tag in Saudi-Arabien. In der Opec rangiert Iran zurzeit an fünfter Stelle.

Wie will Iran auf die Sanktionsaufhebung reagieren?

Weil der Iran seinen Verpflichtungen aus dem Atomabkommen laut der Aufsichtsbehörde IAEA nachgekommen ist, war eine rasche Aufhebung der Sanktionen bereits erwartet worden. Das Land hat im Vorgriff bereits angekündigt, seine Ausfuhren schnell steigern zu wollen. Ob eine rasche Erhöhung von Produktion und Ausfuhr gelingt, ist aber umstritten. Zunächst muss etwa die Ölindustrie modernisiert werden.

Welche Folgen hat eine Rückkehr Irans an den Ölmarkt?

Eine ganz erhebliche, denn die Welt schwimmt bereits in Rohöl. Die Opec produziert etwa eine Million Barrel je Tag mehr als nachgefragt wird. Wichtigster Grund dafür ist ein Preiskampf, mit dem vor allem Saudi-Arabien seine Marktanteile verteidigen will. Das richtet sich in erster Linie gegen Produzenten aus den USA, die ihre Förderung durch Fracking stark erhöht haben. Aber auch andere größere Föderländer wie Russland oder Kanada pumpen immer mehr Öl in den Markt. Das hat die Weltmarktpreise für Rohöl auf den tiefsten Stand seit mehr als zwölf Jahren einbrechen lassen. Derzeit liegt er unter 30 Dollar, verglichen mit 110 Dollar Mitte 2014.

Was bedeutet der Ölpreisverfall für die Weltwirtschaft?

Die Folgen sind zweischneidig, weil es Gewinner und Verlierer gibt. Zu den Profiteuren zählen Verbraucher sowie Unternehmen in Öl-Importländern wie Deutschland. "Niedrigere Ölpreise kommen in Europa einer Steuersenkung gleich", sagt Erik Nielsen, Chefvolkswirt der Großbank Unicredit. Verlierer sind dagegen Unternehmen und Länder, die an dem Verkauf von Rohöl verdienen. Das kann zu zahlreichen Problemen führen, weil Firmen Personal abbauen und Staaten Sozialausgaben kürzen müssen.

Fallen die Ölpreise noch weiter?

Grundsätzlich spricht ein noch höheres Angebot für noch niedrigere Preise. Allerdings rechnen Experten mit einem bald fallenden Angebot in den USA, weil viele der dortigen Produzenten schon jetzt nicht mehr rentabel arbeiten können. Die Fachleute von der Commerzbank erwarten deshalb eine deutliche Verringerung der US-Förderung im Laufe des Jahres. Auf längere Sicht könnte es sogar zu einer Ölknappheit und steigenden Preisen kommen, weil viele Förderer wegen des Ölpreisverfalls zurzeit ihre Investitionen zurückstellen.

Daimler knüpft erste VerbindungenAls einer der ersten deutschen Großkonzerne hat der Autobauer Daimler konkrete Projekte für sein Nutzfahrzeug-Geschäft im Iran angestoßen. Man wolle voll in den iranischen Markt einsteigen, wie das Unternehmen am Montag in Stuttgart mitteilte - natürlich unter Berücksichtigung fortbestehender Vorschriften. Dafür habe Daimler Absichtserklärungen mit den lokalen Kooperationspartnern Iran Khodro Diesel (IKD) und der Mammut Group unterzeichnet. Neben einem Joint Venture für die Produktion von Mercedes-Benz-Lkw und Antriebskomponenten sei die Gründung einer Vertriebsgesellschaft für Mercedes-Benz-Lkw und Komponenten geplant. Außerdem will Daimler Anteile an dem früheren Motoren-Joint-Venture Iranian Diesel Engine Manufacturing (IDEM) erwerben. Darüber hinaus prüften beide Partner den Aufbau eines Gemeinschaftsunternehmens für den Vertrieb von Mercedes-Nutzfahrzeugen. Erste Lieferungen in den Iran seien schon 2016 möglich. (dpa)
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