Nach Brexit-Votum: G-20-Länder vermeiden jeden Hauch von Panik
Der Alles-wird-gut-Gipfel von Chengdu

Um Entspannung bemüht: Großbritanniens neuer Schatzkanzler Philip Hammond (rechts) im Gespräch mit Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble. Bild: dpa

"Das kriegen die hin." Das ist nach dem Brexit-Votum der Briten der Tenor beim Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs der Top-Wirtschaftsmächte. Auch sonst vermeiden die G20-Länder jeden Hauch von Aktionismus und Hektik - obwohl die Risiken nicht gerade abnehmen.

Von Andreas Landwehr und André Stahl, dpa

Chengdu. Philip Hammond war ein gefragter Mann im fernen Chengdu. Der neue britische Finanzminister - gerade erst ein paar Tage im Amt - hatte in der südwestchinesischen Millionen-Metropole ein dichtes Gesprächsprogramm abzuarbeiten. Alles drehte sich beim zweitägigen Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs der Top-Wirtschaftsmächte (G20) um die große Frage: Wie wollen die Briten nach ihrem Anti-EU-Referendum aus der Europäischen Union aussteigen? Für seinen deutschen Amtskollegen Wolfgang Schäuble nahm sich Hammond ein gute dreiviertel Stunde Zeit - das erste persönliche Treffen der beiden Ressortkollegen. Es gab viel zu reden. Doch die Botschaft der mächtigen G20-Runde lautete am Ende im Kern: Alles wird gut.

Von dem Alarmismus der vorangegangenen G20-Ministerrunden vor dem Brexit-Votum vor einem Monat war in Chengdu nichts mehr zu spüren. Die Gruppe der führenden Industrie- und Schwellenländer jedenfalls sieht sich gut gewappnet, um negative wirtschaftliche Folgen des britischen Referendums zu bewältigen. In ihrer Abschlusserklärung räumen die G20-Minister zwar ein, dass der Ausgang der Abstimmung zu den Unsicherheiten in der globalen Wirtschaft beigetragen habe. Man hoffe aber, dass Großbritannien ein enger Partner der EU bleibe.

Das war's in Chengdu dann auch schon in Sachen Brexit und Sorgen. Zwar lässt die Erholung der Weltwirtschaft zu wünschen übrig, aber von zusätzlichen Konjunkturstützen auf Pump, um mögliche negative Brexit-Folgen abzufedern, war in der G20-Runde in der subtropischen 15-Millionen-Einwohner-Region keine Rede. Ganz im Sinne Schäubles. Einhelliger Tenor: Das kriegen die Briten schon selbst hin.

Hammond, der für den Verbleib Londons in der EU eingetreten war, verteilte Beruhigungspillen und sagte, die britische Wirtschaft stützen zu wollen. Von den Plänen seines Vorgängers im Amt des Schatzkanzlers, George Osborne, mit Niedrigsteuern für Unternehmen den globalen Steuerwettlauf anzuheizen und so auch Investoren im Land zu halten, ist offenbar keine Rede mehr.

Für Transaktionssteuer


Die Diskussionen über sozial gerechtere Steuersysteme nutzte Schäuble für eine überraschende deutsche Initiative zur Einführung einer Steuer auf Finanzgeschäfte auf globaler Ebene. Eine europäische Lösung allein bringe wenig. Alle seien sich einig, dass es richtig wäre, eine Besteuerung von Finanztransaktionen weltweit einzuführen. Sein Aufschlag sei gelungen, sagte Schäuble. Wenn die größten Ökonomien und Finanzplätze mitzögen, erhöhe dies den Druck auf andere Finanzzentren und Steueroasen.
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