Nach der Erdgas-Explosion
Zapfhahn versiegt

Ein Zettel weist auf die Schließung einer Erdgaszapfsäule in einer Araltankstelle hin. Die Tankstellenkette Aral hat nach einem Unfall mit einem VW-Erdgasauto einen Verkaufsstopp von Erdgas empfohlen. Bild: dpa

Besitzer von Erdgas-Autos können ihre Wagen in den kommenden Tagen wohl nur eingeschränkt nutzen. Die Tankstellen wollen erst einmal kein Gas mehr anbieten. Grund ist ein schwerer Unfall, zu dem auch die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Hamburg/Göttingen. Nach Marktführer Aral haben weitere Tankstellenkonzerne ihren Stationen und Pächtern empfohlen, vorübergehend kein Erdgas mehr zu verkaufen. Shell, Exxonmobil (Esso), Jet und Total erklärten in ähnlichen Stellungnahmen, sie räumten der Sicherheit Vorrang ein und rieten deshalb von der Betankung mit Erdgas ab. Auslöser ist ein Unfall vom vergangenen Freitag in Duderstadt, bei dem die Gastanks eines VW Touran geborsten waren und der Fahrer schwerverletzt wurde.

Ein Total-Sprecher sagte, die Erdgassäulen seien gesperrt worden. Allerdings bleibe eine Betankung nach Rücksprache mit dem Tankstellenpersonal möglich - und zwar für alle Modelle, die nicht von dem Rückruf von Erdgasautos bei VW betroffen seien. Nach dem Unfall in Duderstadt leitete die Staatsanwaltschaft Göttingen ein Strafverfahren ein. "Wir ermitteln gegen Unbekannt wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung", sagte ein Sprecher am Mittwoch.

Ein VW-Sprecher sagte am Mittwoch, der Touran aus Duderstadt sei Teil eines aktuellen Rückrufes, die Nachbesserung des Wagens habe aber noch nicht stattgefunden. Er konnte keine Angaben dazu machen, ob der Hintergrund des Rückrufes bei dem Vorfall in Duderstadt eine Rolle spielte oder ob ein anderer Auslöser infrage komme. Bisher habe nur die Staatsanwaltschaft Zugriff auf das Auto, die VW-Experten nicht.

Staatsanwaltschaft ermittelt


In Duderstadt war ein Autofahrer durch umherfliegende Trümmerteile schwerverletzt worden, als der Tank eines VW Touran an einer Erdgaszapfsäule geborsten war. "Das Auto und die Zapfsäule wurden beschlagnahmt", sagte Oberstaatsanwalt Frank-Michael Laue. Gutachter seien beauftragt, die Ursache der Explosion zu ermitteln und zu klären, wer dafür verantwortlich ist. In Deutschland stehen rund 900 Zapfsäulen für Erdgas, die zumeist nicht den Konzernen gehören, sondern von regionalen Gasversorgern betrieben werden. Zugelassen sind bundesweit knapp 100 000 Autos und Nutzfahrzeuge, die mit Erdgas fahren. Sie haben aber auch einen Benzintank.

Bei Volkswagen läuft schon seit einiger Zeit eine Rückrufaktion von Erdgasautos. Dabei geht es um den vorsorglichen Tausch von Gasflaschen (wir berichteten). Betroffen sind die Modelle Caddy, Passat und Touran von 2006 bis 2010. Hintergrund ist nach VW-Angaben mögliche Korrosion der Gasflaschen.
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