Nach langen Verhandlungen mit Arbeitnehmervertretern einig
Siemens streicht 1700 Jobs in Bayern

Im März demonstrierten in Ruhstorf nahe Passau Beschäftigte von Siemens für den Erhalt der Arbeitsplätze. Doch die Proteste haben wenig genutzt. In der Sparte Prozessindustrie und Antriebe streicht der Konzern deutschlandweit 1700 Stellen. In Ruhstorf fallen 600 weg. Archivbild: dpa

München. Siemens hat sich auf die Streichung von insgesamt 1700 Arbeitsplätzen in seiner Sparte Prozessindustrie und Antriebe festgelegt. Nach wochenlangen Verhandlungen einigte sich das Unternehmen mit Arbeitnehmervertretern auf einen entsprechenden Interessenausgleich für die deutschen Standorte. Das teilte ein Siemens-Sprecher am Dienstag mit. Der Abbau fällt damit nur etwas geringer aus als ursprünglich geplant: Zunächst war von rund 2000 Stellen in Deutschland die Rede gewesen, die gestrichen oder verlagert werden sollten.

Am stärksten betroffen sind vier Standorte in Bayern: In Nürnberg geht es um 590 statt wie ursprünglich geplant um 730 Jobs und in Ruhstorf nahe Passau um 600 statt 710 Arbeitsplätze. In Bad Neustadt/Saale sollen nun 330 Stellen gestrichen werden statt der zuvor geplanten 370 Stellen und an zwei Erlanger Standorten 130 Jobs statt 160 wie in den ersten Planungen vorgesehen. Der Abbau soll nach Siemens-Angaben bis spätestens Ende September 2020 umgesetzt sein.

Jürgen Wechsler, dem Chef der IG Metall in Bayern, zufolge sind die Beschäftigten enttäuscht. Zwar habe Siemens zugesagt, alle Produktionsstandorte zu erhalten, doch gebe es große Sorgen vor allem um Ruhstorf, sagte Wechsler am Dienstag in München. Dort sollen 600 der zuletzt rund 1200 Arbeitsplätze wegfallen und lediglich Teile der Elektromotorenfertigung erhalten bleiben. "Es gibt große Sorgen, ob das, was hier vereinbart ist, nach vier Jahren noch leben wird", sagte Wechsler. Angedacht ist dem Vernehmen nach auch, ein Gewerbecenter auf dem bisherigen Siemens-Gelände anzusiedeln. Einzig beruhigend sei, dass sich der Stellenabbau über vier Jahre bis 2020 hinziehen werde, sagte Wechsler. Er hatte Siemens aufgefordert, die Verlagerung von Produktionsarbeitsplätzen nach Osteuropa zu stoppen. In begrenztem Umfang hätten die Arbeitnehmervertreter dies bei den Verhandlungen auch erreicht, "aber Siemens hält an seiner Verlagerungsstrategie fest". Deshalb erneuere er auch seine Forderung nach einem Verlagerungsstopp bei dem Unternehmen.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.