Nach schmerzhaften Einschnitten auf zu neuen Ufern
Deutsche-Bank-Chef richtet Blick nach vorn

John Cryan, Co-Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank, erläuterte am Donnerstag in Frankfurt die Bilanzzahlen für 2015. Bild: dpa
 
Vorwärts immer... Die Co-Chefs der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen (links) und John Cryan. Bild: dpa

Rekordverlust, Aktienkurs im Keller, Dividende gestrichen, Boni gekürzt: Die Deutsche Bank hat Anlegern und Mitarbeitern zuletzt wenig Freude gemacht. Allmählich soll es besser werden.

Frankfurt. Der Radikalumbau der Deutschen Bank soll spätestens 2018 Früchte tragen. Die Neuaufstellung brauche "Zeit, Entschlossenheit und Geduld", sagte Konzernchef John Cryan bei der Bilanzvorlage am Donnerstag in Frankfurt. Nach dem größten Verlust der Unternehmensgeschichte könnte auch das laufende Jahr mit roten Zahlen enden. Für 2015 hatte die Deutsche Bank vor einer Woche einen Rekordverlust angekündigt. Nach jüngsten Zahlen stand unter dem Strich ein Minus von rund 6,8 Milliarden Euro, der erste Jahresverlust für den Dax-Konzern seit 2008 (rund 3,9 Milliarden Euro). Für 2014 hatte die Bank noch 1,7 Milliarden Euro Gewinn ausgewiesen.

Rücklagen vergrößert


Teure Rechtsstreitigkeiten, Abschreibungen und Kosten für die geplante Streichung von netto 9000 Stellen - davon 4000 in Deutschland - belasten Deutschlands größtes Geldhaus. Im Investmentbanking gab es zum Jahresende Einbrüche. 2016 werde der Höhepunkt bei der Sanierung der Bank. Der Vorstand kündigte an, dass dies noch einmal eine Milliarde Euro kosten werde. Für Rechtsrisiken könnte nach Cryans Einschätzung erneut möglicherweise ein "signifikanter Betrag" fällig werden, da die Bank einige Fälle "so schnell wie möglich beilegen" wolle. 2015 legte die Bank für Rechtsrisiken weitere 5,2 Milliarden Euro zur Seite. Insgesamt belaufen sich die Rückstellungen für mögliche juristische Niederlagen derzeit auf 5,5 Milliarden Euro. Hinzu kommen mögliche Risiken von 2,2 Milliarden Euro, für die es noch keine Rücklagen gibt. Seit 2012 summierten sich die Aufwendungen für Rechtsstreitigkeiten auf 12,7 Milliarden Euro.

"Unser Ziel ist, dass wir spätestens 2018 wieder eine cleane Deutsche Bank haben", sagte Finanzvorstand Marcus Schenck. Bis dahin sollen die größten Altlasten abgearbeitet und die Trennung von der Postbank über die Bühne sein.

Geringerer Kapitalpuffer


Mit der Verkleinerung ihres eigenen Filialnetzes in Deutschland will die Deutsche Bank im dritten Quartal beginnen. Bis Ende 2017 sollen 200 der 700 Standorte wegfallen. Co-Chef Jürgen Fitschen versicherte: "Das Filialnetz, die physische Präsenz vor Ort, wird auch in Zukunft eine sehr große Bedeutung haben." Zum Stellenabbau liefen die Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern. "Wir würden heute davon ausgehen, dass wir in der zweiten Jahreshälfte damit anfangen können, die ersten Maßnahmen umzusetzen, also uns von ersten Mitarbeitern trennen und erste Filialen schließen", sagte Schenck.

Der Rekordverlust schwächte auch die Kapitalpuffer der Bank. Die harte Kernkapitalquote, die das eigene Kapital ins Verhältnis zu den Risikopositionen setzt, sackte im vergangenen Jahr um 0,6 Punkte auf 11,1 Prozent ab. Cryan bekräftigte dennoch, es gebe keine Notwendigkeit für eine Kapitalerhöhung. Eigenkapital ist ein wichtiger Puffer für Krisenzeiten. Seit der Finanzkrise haben Aufseher weltweit die Vorgaben dafür massiv erhöht. Der deutsche Branchenprimus muss 2019 auf eine Quote von 12,25 Prozent kommen.

Kein BonusNach dem Rekordverlust 2015 fällt der Bonus für den Deutsche-Bank-Vorstand aus. Der Aufsichtsrat habe die variable Vergütung für alle Manager gestrichen, die dem Gremium im vergangenen Jahr angehörten, sagte Co-Chef John Cryan am Donnerstag in Frankfurt. Auch der Bonus-Pool für die Mitarbeiter werde spürbar kleiner ausfallen als ein Jahr zuvor. "Wir bezahlen weniger als unsere internationale Konkurrenz, aber ich glaube, die meisten verstehen das", sagte Cryan. Genaue Zahlen nannte er nicht.

Die Bank hatte vor einer Woche mitgeteilt, dass sie bei Bonuszahlungen auf die Bremse tritt: Künftig sollen die Prämien für außertarifliche Mitarbeiter noch stärker an den Unternehmenserfolg gekoppelt werden. (dpa)
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