Nachschub für die Briefkästen

Frisch ans Werk: Nach der Tarifeinigung zwischen Post und der Gewerkschaft Verdi werden ab morgen wieder überall in Deutschland Briefe, Pakete und Päckchen sortiert und zugestellt. Bild: dpa

Die Kunden sind erleichtert: Ab Dienstag arbeiten die Postler wieder normal. Es wird aber wohl noch Tage dauern, bis sie alle der Millionen liegengebliebenen Sendungen befördert haben.

In dem Konflikt ging es nicht nur um Lohn und Arbeitszeit, sondern um Grundsätzliches: die Ausgliederung von Paketgesellschaften in der neuen Gesellschaft Delivery seit Jahresbeginn mit 20 bis 30 Prozent schlechterer Bezahlung für die Mitarbeiter. Damit will sich die Post in der Paketsparte fit für den Wettbewerb machen.

Postler zweiter Klasse?

Der Dax-Konzern hatte das als unvermeidbar bezeichnet, weil die Konkurrenz deutlich weniger und zum Teil sogar nur den Mindestlohn von 8,50 Euro zahle. Der Haustarif der Post liegt dagegen bei 17,70 Euro. Bei Delivery werden im Schnitt 13 Euro bezahlt. Hier will die Post jetzt stark wachsen.

Die E-Commerce-Branche boomt, in der Paketsparte soll ein Gutteil der Gewinne der Zukunft entstehen. Innerhalb von einem halben Jahr schoss der Personalstand bei Delivery schon von 0 auf 6500, bis 2020 rechnet die Post mit 20 000 Mitarbeitern. Verdi hatte die Pläne vehement bekämpft. Zwei verschiedene Tarife für dieselbe Arbeit - also Postler erster und zweiter Klasse - sind den Gewerkschaftern ein Alptraum.

Verdi hat ein wichtiges Zugeständnis erreicht: Bei den Briefen sind Ausgründungen bis Ende 2018 definitiv ausgeschlossen. Zudem unterschrieb die Post, dass die 7600 aktuellen Paketzusteller nicht befürchten müssen, in die schlechter zahlenden Neugründungen abgeschoben zu werden. Den grundsätzlichen Kampf gegen die Billig-Gesellschaften hat die Gewerkschaft allerdings verloren.

Kriegsähnliche Zustände

Der Tarifkonflikt war außergewöhnlich hart - wohl der härteste in der Post-Geschichte. "Wir sind im Krieg", soll ein Post-Vorstand gesagt haben. Verdi-Funktionäre liefen mit Kameras Aushilfszustellern hinterher, um tatsächliche oder vermeintliche Rechtsverstöße zu dokumentieren. Beschwerden und mehrfache Klagen, etwa gegen den Einsatz von Beamten - die Gewerkschaft zog alle Register und investierte nach Schätzungen rund 30 Millionen Euro für Streikgeld. Die Post machte dagegen Stimmung mit einer Anzeigenkampagne und ließ zur Erbitterung der Gewerkschaft auch sonntags arbeiten - regional auch noch am Sonntag des Tarifabschlusses. Auch sie kostete der Streit viele Millionen Euro.

Der Konflikt ist mit den Unterschriften von Bad Neuenahr beigelegt, jetzt müssen sich Post und Verdi um die Negativ-Folgen kümmern - intern und bei der Kundschaft. Online-Händler etwa, die auf pünktliche Zustellungen angewiesen sind, hatten genervt und verärgert einen Wechsel des Anbieters angekündigt. Auch im Inneren ist viel zu tun. "Da sind Gräber entstanden zwischen Streikenden und Nicht-Streikenden", sagt Personalchefin Melanie Kreis. Manche Kollegen redeten kein Wort mehr miteinander, berichtet ein Verdi-Funktionär.
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