"Negative Sondereinflüsse"
Abgas-Skandal drückt weiter auf VW-Bilanz

Die Diesel-Krise hinterlässt weiter ihre Spuren in der Bilanz des VW-Konzerns. Im ersten Halbjahr sank der Gewinn vor Zinsen und Steuern binnen Jahresfrist um 22 Prozent auf 5,3 Milliarden Euro. Archivbild: dpa

Ende Juni schien eine wichtige Etappe im Abgas-Skandal genommen: Mit einem Milliardenvergleich könnte Volkswagen in den USA zahlreiche Rechtsstreitigkeiten befrieden. Doch nach dieser Erfolgsmeldung wird nun klar: Die Affäre nagt weiterhin erheblich an der Gewinnkraft.

Wolfsburg. Der Abgas-Skandal hinterlässt weiter seine Spuren in der Bilanz des VW-Konzerns. Im ersten Halbjahr sank der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) binnen Jahresfrist um 22 Prozent auf 5,3 Milliarden Euro. Das geht aus einer Mitteilung vom Mittwoch über vorläufige Eckzahlen hervor. Darin enthalten seien "negative Sondereinflüsse in Höhe von 2,2 Milliarden Euro", die Volkswagen vor allem mit Rechtsrisiken erklärte, "die im Wesentlichen auf Nordamerika entfallen".

Operatives Geschäft wächst


Ohne diesen Dämpfer wäre der Halbjahresgewinn aus dem laufenden Geschäft auf 7,5 Milliarden Euro geklettert. Damit hätte sich bei den operativen Erträgen ohne Sondereinflüsse wie die Abgas-Affäre ein Plus von rund 7 Prozent ergeben. Vor allem die Kernmarke VW habe sich erholt, hieß es weiter. Gründe für den Schub bei der Hausmarke seien unter anderem die saisonale Nachfrage, eine Erholung des Automarktes in Europa - wo VW neben China das meiste Geld verdient - sowie die Wiederbelebung des Großkundengeschäfts. Das Effizienzprogramm für mehr Sparbemühungen bei der Marke habe auch zum Ergebnis beigetragen. Am 28. Juli will der Konzern seine gesamte Halbjahresbilanz vorlegen. Hier wird sich dann auch zeigen, wie viel Substanz im operativen Gewinn steckt. Bisher haben die Wolfsburger zum Beispiel noch keine Umsatzzahlen genannt und auch der Nachsteuergewinn ist unbekannt.

Details zur Art der "negativen Sondereinflüsse", die "vor allem" an weiteren "rechtlichen Risiken" hängen und "im Wesentlichen auf Nordamerika entfallen" gab es am Mittwoch nicht. Es dürfte sich dabei zum Großteil um Folgen der Diesel-Krise handeln, doch unter Sondereinflüssen ist auch anderes zu verstehen, was nicht direkt mit der Abgas-Affäre zusammenhängen muss. Ende Juni hatte Volkswagen in einem Vergleich in den USA den Weg frei gemacht dafür, dass der Abgas-Skandal den Autobauer dort bis zu 13,5 Milliarden Euro kostet - für Rückkäufe, Entschädigung und Strafen. Allerdings ist bislang kein Ende der Klagewelle gegen VW abzusehen.

Vorreiterrolle für Audi


Im Konzern übernimmt Audi die Federführung für das autonom fahrende Auto und die Brennstoffzelle. Das teilte Audi-Vorstandschef Rupert Stadler am Dienstag vor 2800 Audi-Führungskräften in München mit, wie aus Unternehmenskreisen verlautete. Audi werde ein serienreifes Brennstoffzellen-Auto entwickeln. Wann es auf den Markt kommen soll, blieb offen. In zehn Jahren soll mindestens ein Viertel aller verkauften Audis rein elektrisch fahren. Damit übernimmt Stadler das Ziel, das Volkswagen-Chef Matthias Müller im Juni in seiner Strategie 2025 für den gesamten Konzern gesetzt hat. In zwei Jahren soll in Brüssel der erste rein batteriebetriebene Audi vom Band laufen.
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