Nette Nasenschmeichler

Elegant, sinnlich und edel - so präsentieren die Parfümhersteller wie Paco Rabanne den Winter. Bild: Paco Rabanne

Sinnlich und behaglich - so zeigt sich der Winter von seiner schönen Seite. Die Düfte der Saison nehmen genau dieses Gefühl der winterlichen Gemütlichkeit auf. Und so riechen Mann und Frau nach Vanille und Schokolade - und manchmal auch nach Holz.

"Der Winter wird warm." Und nein, vom Wetter spricht Martin Ruppmann nicht. Denn er ist kein Meteorologe, sondern Geschäftsführer des VKE-Kosmetikverbandes und der Fragrance Foundation Deutschland - und schaut auf die Parfümtrends der Saison. Denn die Düfte stehen in diesem Jahr im Zeichen der warmen Nuancen. "Gourmandnoten sind ein ganz großes Thema", bestätigt Elmar Keldenich, Geschäftsführer des Bundesverbands der Parfümerien.

Schoko, Vanille, Karamell

Mit dem Begriff Gourmand- oder auch Gourmetnoten werden Aromen wie Schokolade, Vanille, Karamell oder Praliné bezeichnet. Bereits das klingt verführerisch - und genau so duften auch die Parfüm-Kreationen mit diesen Inhaltsstoffen. "Gourmand-Düfte verströmen gleichzeitig Behaglichkeit und Sinnlichkeit und sind somit das olfaktorische Pendant zu einem edlen Kaschmirschal", sagt Keldenich.

"Neben Gourmand-Noten wie Vanille oder Praliné spielen in diesem Winter auch Beeren-Nuancen eine große Rolle bei den Parfüms." Das ist auf den ersten Blick ein wenig überraschend, normalerweise sind Himbeere und Co. nämlich eher bei den leichten Sommer-Kreationen zu finden. "Tatsächlich aber wirken sie durch die Kombination mit Aromen wie Café oder Schokolade ganz anders. Ebenfalls sinnlich, aber mit einem frischen Touch", begründet Keldenich.

"Klassische Kompositionen wie orientalisch-blumige Düfte bleiben jedoch ebenfalls im Trend", ergänzt Regina Limbeck von der Parfümerie Haas by Akzente in Schwetzingen. "Frauen, die es lieber holzig-würzig mögen, werden im kommenden Winter ebenfalls ihren Favoriten finden." Tatsächlich gibt es in der kommenden Saison für jeden Geschmack den richtigen Duft. "Vielfalt wird durchaus großgeschrieben", fasst Ruppmann zusammen. Und Keldenich ergänzt: "Nur die ganz leichten, sommerlichen Blütendüfte haben jetzt natürlich keine Hochkonjunktur." Ein Parfüm müsse eben immer auch zur Stimmung passen.

Und in den kalten, dunklen Monaten ist man naturgemäß eher nach innen gekehrt. Wir ziehen uns gern in unsere gemütlichen vier Wände zurück, zünden eine Kerze an und genießen die heimelige Atmosphäre. "Diesem Wunsch nach dem sogenannten Cocooning tragen Gourmand-Düfte natürlich im hohen Maße Rechnung", sagt Ruppmann.

Holz ein großes Thema

Dazu muss man auch wissen: Düfte sind mit unseren Erinnerungen verbunden - sie werden von Kindheit an in unseren Gehirnen gespeichert. So kann ein bestimmter Duft eben auch bestimmte Emotionen auslösen: Und Vanille gehört wohl für jeden zu den schönsten Erinnerungen - sei es, dass man das Aroma von den Weihnachtsplätzchen kennt, sei es, dass man unbewusst an Omas Vanillepudding denkt. Genauso verhält es sich mit Schokolade oder Praliné. Nimmt der Mensch in seinem Unterbewusstsein diese Aromen wahr, reagiert er darauf meist mit Wohlbefinden.

Darüber hinaus bleibt Holz ein großes Thema, bei Damen- wie Herrendüften. Bereits im vergangenen Winter hat sich dabei vor allem ein Favorit herauskristallisiert: Oud, auch Adlerholz genannt. Adlerholzbäume sind selten, sie wachsen in Südostasien und sind seit Jahrhunderten begehrt: Aus dem Harz des Adlerbaums wurden zum Beispiel Räucherstäbchen hergestellt. "Heute zählt Oud zu den teuersten Ingredienzen der Parfümbranche", sagt Keldenich.

Stärke und Entschlossenheit

Die Rückkehr zu holzigen Noten markiert bei den Herren vor allem eine Tendenz: "Die aktuellen Parfüm-Varianten sollen männliche Stärke und Entschlossenheit betonen", sagt Ruppmann. Dieser Zeitgeist spiegelt sich nicht nur in den Düften, sondern auch in den Flakons, die metallisch schimmern oder in elegantem Schwarz gehalten sind. "Weil wahre Männer wieder im Trend liegen, sind auch Leder-Akkorde für ihn aktuell angesagt wie selten zuvor", beschreibt Keldenich. "Auch in der Kombination mit Tabak - und das ist nun eine durch und durch klassisch-männliche Komposition."

Ruppmann erklärt diese Entwicklung so: "Männer sind schlussendlich nicht besonders mutig, was die Auswahl ihres Parfüms angeht. Sie würden gern experimentieren, trauen sich aber vielfach nicht so recht." Für die Herren, die doch einmal etwas Neues probieren wollen, hat Keldenich einen Tipp: "Es gibt in diesem Winter durchaus auch für ihn Düfte mit Gourmand-Noten." Wenngleich sie in herberen Varianten daherkommen - wie Kaffee. "Und Pfeffer-Akkorde für ihn werden uns mit Sicherheit auch im Winter begleiten."
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